Wir haben bei der Tankstelle sehr gut geschlafen. Es war deutlich ruhiger als gedacht. Nur einmal hörte ich ein lautes Krachen. Meine erste Vermutung war, dass draußen jemand mit dem Auto an einen der Betonklötze gefahren ist. Aber ich war zu müde, um nachzuschauen. Außerdem fuhr das Auto sowieso weiter.
Als wir morgens hörten, wie der Regen auf unser Dach trommelte, gingen Andreas und ich schnell nach draußen, um die Zugmaschine abzudecken. Vor dem Frühstück ging ich mit Casper raus, damit er sein Geschäft erledigen kann. Dann ließen wir ihn wieder in den Wagen. Dort konnte er sich wieder hinlegen und entspannen, während Andreas und ich im Tankstellenbistro frühstückten.
Kurz vor der Weiterfahrt, fuhr ein VW an die Tankstelle. Ein Mann ließ die Scheibe runter und fragte, was das da unter der Plane sei. Er sprach deutsch. Wir erklärten es ihm und er und seine Frau waren begeistert. Dann schilderten wir ihm, dass wir leider ein Problem mit einer Felge hätten und nach Györ fahren wollten, wo uns hoffentlich jemand helfen kann. Darauf meinte er, wir müssten nicht bis Györ fahren. Er kenne jemanden im nächsten Ort, der Alu schweißen kann. Er rief für uns dort an und machte klar, dass wir hinkommen können. Außerdem sagte er, er habe mit dem Mann gesprochen und ausgemacht, dass er die Reparatur bezahlen würde.
Wir konnten kaum glauben, was wir da hörten und strahlten um die Wette. Der Mann meinte nur: “ Jeden Tag eine gute Tat“.
Er erzählte uns, er arbeite am Flughafen in Wien und sei mit seiner Frau auf dem Weg in den Urlaub nach Zell am See, wo der Betriebsrat eine Ferienunterkunft für Angestellte hätte.
Wir fuhren also die sechs Kilometer wieder nach Komarom und fanden auch die Werkstatt. Andreas baute das Rad nochmal aus und verschwand mit den Männern auf dem Werkstattgelände. Weil es regnete, blieb ich mit Casper im Wagen. Außerdem gab es auf dem Gelände zwei sehr große Hunde und der Besitzer gab mir mit dem Wort „Hamm…“ und einer Schnapp-Bewegung mit den Fingern zu verstehen, dass es keine gute Idee wäre, den beiden mit Casper zu nahe zu kommen. Allerdings gab ich den beiden Hunden zuerst Leckerchen und später jedem ein Hasenohr durch den Zaun. Danach bellten sie mich nicht mehr an, wenn ich in die Nähe kam.

Ich wartete sehr gespannt auf Andreas. Würde es wirklich klappen, dass die Felge geschweißt werden kann? Ja, es funktionierte. Der Riss war verschweißt, Andreas baute das Rad wieder ein und es konnte weitergehen. Allerdings fehlte jetzt eine Speiche an dem Rad. Wir wollten deshalb trotzdem nach Györ zu dem Fahrradgeschäft fahren. Vielleicht könnte das auch behoben werden.



Als wir dort ankamen und ich im Laden nach Adam fragte, mit dem wir vorher telefoniert hatten, kamen gleich zwei Männer auf uns zu. Einer davon war der deutschsprachige Adam, der andere Mann sein Chef bzw. Schwiegervater. Letzterer meinte: „Das muss ich sehen!“ und kam auch gleich mit in den Hof. Die beiden waren sehr begeistert, sowohl von der Zugmaschine als auch vom Anhänger.

Bald war klar, dass wir heute nicht mehr weiterfahren würden. Erstens war das Wetter nicht besonders toll und die Akkus nicht voll genug für eine richtige Weiterfahrt. Zweitens wollten wir lieber hier stehen bleiben, weil uns die Gegend einigermaßen sicher erschien. Außerdem hatten wir unser Mindest-Tagespensum mit 50 Kilometern schon erreicht.

Als Andreas nachfragte, ob wir hier bleiben könnten, willigte der Chef sogar ein, dass wir im Hof des Radladens über Nacht stehen dürfen. Der Schlüssel vom Hof wurde uns in die Hand gedrückt. Wir sollen einfach zuschließen und den Schlüssel in den Briefkasten legen, wenn wir morgen gehen. Samstags ist das Geschäft nämlich geschlossen. Auch hier wurde uns großes Vertrauen entgegengebracht, obwohl wir völlig fremd sind. Wir sind sehr gerührt.

Es beruhigt unglaublich, dass wir einen super Platz für die Nacht haben und die Fahrt Richtung Heimat weitergehen kann. Der Riss in der Felge ist verschweißt und im Radladen haben die Mitarbeitenden noch irgendwo eine passende Speiche von einem Mofa oder etwas Ähnlichem gefunden. Die ist jetzt dran und einen Platten hatten wir heute auch nicht. Der erste Tag ohne Platten seit Tagen! Die erreichten 2.500 Kilometer haben wir heute auch kurz gefeiert.

Am frühen Abend sind Andreas und ich mit Casper und unserer Schmutzwäsche zu einem Waschsalon gelaufen. Es gab vier oder fünf Waschmaschinen und nochmal genauso viele Wäschetrockner. Außerdem konnte man die Bedienungsanleitung auf Deutsch anzeigen lassen und der Automat nahm auch Bankkarten. Man brauchte keine Forint dafür.

Für die Schrauben, die Andreas in Budapest gekauft hat, musste er Bargeld bei einer Bank abheben, weil die Dame weder Euro noch Karte nahm. Da wir aber morgen wieder nach Österreich kommen, wollten wir kein weiteres Bargeld holen für den einen Tag. Da war es praktisch, dass der Waschsalon auch mit der Karte funktionierte. Mal abgesehen davon haben wir jetzt endlich wieder saubere Sachen. Obwohl wir die kurzen Sachen vielleicht ohnehin bald gegen die etwas wärmere Kleidung austauschen müssen.

Demnächst ist auch mal wieder fällig, dass der Wohnwagen ordentlich ausgesaugt wird. Aber das machen wir dann wohl, wenn wir wieder in Österreich sind.
Vielen Dank übrigens an euch alle, die ihr wegen der vielen Platten und der gerissenen Felge mit uns gefühlt und gefiebert habt. Euer Zuspruch tat sehr gut.
Harry, der 200-km-Umweg zu Katanga ist nun zum Glück nicht notwendig. Aber du hast recht. Die Leute dort hätten uns bestimmt auch helfen können.
Ich finde es bemerkenswert, wie sich plötztlich alles irgendwie gefügt hat. Da kommt ein Mercedes angefahren, bringt Andreas dazu, mit ihm zu einem Radgeschäft zu gehen, ruft dann gleich noch bei einem Radgeschäft in Györ an, um zu fragen ob die uns helfen können. Dann empfiehlt er uns einen Übernachtungsplatz, an dem zufällig morgens jemand tankt, der uns anspricht und auch noch nachhakt wo das Problem mit dem Reifen liegt. Und der dann obendrein auch noch direkt im nächsten Ort jemanden kennt, der Alu schweißen kann.

Leute, das war alles ein riesengroßes Glück und wir sind sehr, sehr dankbar allen, die in irgendeiner Form mitgeholfen oder uns aufgebaut haben! Ihr werdet weiterhin täglich erfahren, wie die Geschichte weitergeht.
Hallo, in Euer Reisevokabular muss unbedlngt der Begriff Schweißgerät in allen Landessprachen aufgenommen werden, falls es mit der Technik mal wieder drunter und drüber geht 🙃.
Es zeigt aber wieder einmal sehr eindrucksvoll, wie hilfsbereit fremde Menschen sind, wenn man so offen und auskunftsfreudig wie Ihr die Leute an Euren Erlebnissen teilhaben lässt. Super, so soll es sein denn diese Geschichten machen Eure Reiseberichte zu den Positivnachrichten, die uns „Stubenhockern zu Hause“ das Vertrauen in unseren Zusammenhalt neu aufleben lassen. Danke für diese tollen Geschichten, wir bleiben gespannt was Ihr noch zu berichten habt 👏👍🥰
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