Heute war der letzte komplette Tag in der Steiermark. Morgen werden wir Österreich erstmal verlassen, obwohl wir ja auf dem Rückweg nochmal durch Österreich kommen, wenn wir über Wien ein Stück an der Donau entlang Richtung Heimat fahren. Aber das ist noch lange hin.

Bevor wir morgen die Steiermark verlassen, wollten wir unbedingt noch bei einem Hofladen Kürbiskernöl kaufen. Wir haben auch gestern schon einige Kürbisfelder und Hinweisschilder auf den Verkauf von Öl gesehen und heute kauften wir ein Fläschchen der steirischen Spezialität bei einem Bauernhof ein.

Die Mittagspause verbrachten wir auf einem geschotterten Parkplatz neben einem winzigen Bahnhof. So lange wir dort saßen, fuhr nur ein einziges Mal ein Bimmelbähnchen vorbei. Es war also schön ruhig. Nach dem Essen nahmen wir uns mal wieder ein bisschen Zeit, zu lesen.

Plötzlich fuhr ein weißer BMW auf den Parkplatz. Ein Mann und eine Frau stiegen aus, kamen auf uns zu und schüttelten uns die Hand. Sie haben beim Vorbeifahren unser Fahrzeug stehen sehen und haben umgedreht, weil sie sich das unbedingt näher anschauen wollten. Sie waren ganz begeistert. Der Mann interessierte sich besonders für die Technik, die an der Zugmaschine verbaut ist. Die Frauen gucken sich eher den Wohnwagen genauer an.

Sehr oft wird uns auch die Frage gestellt, wie wir so eine lange Reise denn mit der Arbeit vereinbaren können. Welcher Arbeitgeber gibt einem denn einfach so mehrere Monate frei? Es geht so: Andreas ist ja schon Rentner. Und ich arbeitete bei einem Arbeitgeber, bei dem es ein sogenanntes „Lebensarbeitszeitmodell“ gibt. Das heißt konkret, ich habe ein paar Jahre auf einen Großteil meines Gehalts verzichtet. Über die Jahre kam da ein ordentlicher Betrag zusammen. Der wird mir nun Stück für Stück jeden Monat ausbezahlt, bis das angesparte Geld weg ist. Das heißt, ich bin – so lange noch Geld da ist, das ausgezahlt werden kann – sozialversichert beschäftigt. Wenn das Geld alle ist, muss ich wieder arbeiten, bis ich das Rentenalter erreicht habe.

Aber diese gemeinsame Zeit kann uns niemand mehr wegnehmen. Sie ist extrem kostbar und wir wollten sie nicht missen. Es macht uns nichts aus, dafür auf ein paar materiellen Dinge zu verzichten. Wir haben alles was wir brauchen. Und das Wichtigste: wir haben UNS!

Zurück zu unserem Tag…
Nach der Mittagspause fuhren wir nur noch ungefähr 10 Kilometer weiter. Das Ehepaar mit dem weißen BMW hatte uns den Tipp gegeben, es käme kurz vor Bad Radkersburg ein See. Dort gäbe es auch Stellplätze, Duschen, Toiletten usw. Wir fuhren hin und ich machte mit Casper einen Spaziergang um den See herum. Übernachten wollten wir dort aber nicht. Die Parkgebühr war ziemlich hoch. Und außerhalb der offiziellen Stellplätze waren überall Verbotsschilder angebracht. Da fuhren wir doch lieber weiter zum ÖAMTC in Bad Radkersburg, wie es uns der „gelbe Engel“ von Kapfenberg empfohlen hatte.
Kurz bevor wir zum ÖAMTC kamen, fuhren wir noch eine Tankstelle an. Schon seit ein paar Tagen nervt mich die zunehmende Anzahl an Krümeln, Flusen und Sandkörnchen hier im Wagen. Auch wenn wir noch so aufpassen und Caspers Füße abwischen, bevor er in den Wagen hüpfen darf, man schleppt einfach nach und nach trotzdem Dreck in den Innenraum.

Also stellten wir unser Gefährt bei der Tankstelle neben den Staubsauger, räumten den Wagen ziemlich leer und saugten den Dreck weg. Na also – jetzt ist es wieder sauber und dadurch deutlich gemütlicher.

Ein Mann, der mit seinem Auto auf der anderen Seite des Staubsaugers hielt, sprach uns an und erkundigte sich, wohin unsere Reise denn noch ginge. Nach Beendigung unserer Schilderung fragte er plötzlich: „Habt ihr Gläser dabei?“ Ich antwortete: „Nein, nur Becher.“ Da holte er aus seinem Auto eine Flasche Rotwein nebst Korkenzieher, überreichte uns beides, wünschte uns eine gute Weiterreise und fuhr davon. Andreas und ich schauten ihm nach und waren erstmal sprachlos. Ich glaube, es ist noch kein einziger Tag vergangen, an dem wir nicht super freundlichen Menschen begegnet sind.

Am Samstag und Sonntag ist der ÖAMTC hier eigentlich geschlossen. Aber wir sahen, dass drinnen noch jemand an einem Auto arbeitete. Ich klopfte, sagte dem Mann, dass wir auf Empfehlung seiner Kollegen in Kapfenberg kämen und wir – wenn möglich – über Nacht bei ihnen auf dem Parkplatz hinter dem Gebäude stehen bleiben würden. Er meinte, das wäre kein Problem. Nachdem wir eine Weile geplaudert haben, meinte er, er könne uns auch gerne noch den Wasserschlauch nach draußen legen, damit wir Duschwasser haben. Perfekt! Und als Toilette nehmen wir den Maisacker nebenan.

Am Abend, kurz bevor wir duschen wollten, stolperte ich im Hof und fiel hin. Dabei schrammte ich mir das linke Knie und die linke Schulter auf.


Ich wurde von Andreas ganz lieb verarztet. Es tut jetzt zwar weh und brennt ordentlich, aber es ist ja zum Glück „nur“ eine Schürfwunde und kein Knochenbruch. Alles wird gut!
Von Christa und Klaus aus Möding bekamen wir heute eine Nachricht. Wir waren ja abends bei den beiden eingeladen und als sie am nächsten Morgen nochmal zu uns kamen, um sich zu verabschieden und uns Tomaten aus ihrem Garten zu bringen, hatte Klaus noch Fotos von unserem Fahrzeut gemacht. Er wollte es an die Zeitung schicken. Tatsächlich hat es das Bild als „Leserfoto des Tages“ in die Zeitung geschafft. Wow!!!

Gute Besserung, liebe Ilona!
„Wir haben alles was wir brauchen. Und das Wichtigste: wir haben UNS!“
Schöner und tiefsinniger kann man die Liebe füreinander und für‘s Leben kaum formulieren 🥰.