Ein Tag mit ein paar schwierigen Momenten

Normalerweise lassen wir unser Fahrzeug nicht alleine. Einer von uns bleibt eigentlich immer in der Nähe. Aber da wir ja auf dem Campingplatz übernachtet haben, konnten wir den Morgenspaziergang gemeinsam machen. Das war sehr schön.

Nach der Abfahrt nahmen wir Kurs auf Graz. Wir fuhren auf einer Straße, die man am Vormittag nicht als verkehrsarm bezeichnen konnte, aber es war auch nicht extra viel los. Auf der anderen Straßenseite verlief ein Radweg. An einer Kreuzung hielt ein LKW-Fahrer auch auf der anderen Straßenseite und schrie zu uns herüber, wir sollen gefälligst den Radweg benutzen.

99,9 % der anderen Verkehrsteilnehmer akzeptieren uns auch als solche. Sie warten eben notfalls bis frei ist und überholen dann. Wenn wir merken, dass sich eine Autoschlange hinter uns bildet, fährt Andreas bei der nächsten Gelegenheit rechts ran und lässt die schnelleren Verkehrsteilnehmer passieren. Leider wollte dieser LKW-Fahrer nur schnell seinem Ärger Luft machen, ohne jedoch wissen zu wollen, was die andere Person dazu zu sagen hat. So gerne hätte ich zu ihm gesagt: “ Jetzt schauen wir uns das doch mal gemeinsam an. Was glauben Sie, wie sich Fahrradfahrer fühlen, auf denen ihnen dieses Riesengeschoss entgegenkommt. Das ist, als käme einem ein Traktor auf dem Radweg entgegen. Der Unmut der anderen Radfahrer wäre uns gewiss – denn für sie sind wir einfach KEIN Fahrrad.“

Hätte der LKW-Fahrer hinter einem kleinen Bulldog mit 25 kmh hinterher tuckern müssen, hätte er den sicher nicht angeschrien. Denn die Straße war weder für Fahrräder noch für Traktoren verboten.

Tja, aber leider, leider konnte ich ihm all das nicht sagen. Er hätte es in dem Moment auch ganz sicher nicht wissen wollen. Zuhören ist ja sowieso für viele Menschen schon in ganz „normalen“ Situationen schwierig.

Weiter ging unsere Fahrt und Andreas lenkte unser Fahrzeug locker mitten durch Graz hindurch. Nach der Durchquerung von Paris im Juni, lassen ihn alle Städt, die kleiner sind, ganz gelassen.

In der Mittagspause kam die nächste schwierige Situation: wir hielten in einem Schulhof an. Da gerade Ferien sind, lag der Hof komplett verwaist da. Andreas fragte mich:“ Hast du mein Handy?“ Ich verneinte. Er:“ Aber du hattest es doch.“ Ich: „Wir haben damit hierher navigiert, aber danach hatte ich es nicht.“ Er:“Aber du hattest es doch!“ Ich:“ Wo ist eigentlich die Tasche mit den Geldbeuteln?“ Andreas griff dorthin, wo sie sich normalerweise befindet und sagt: „Weiß ich nicht!“

Das war dann der Moment, als ich fast einen Herzinfarkt bekam! Es fehlte nicht nur ein Handy, sondern auch beide Geldbeutel?“ Nach kurzer Zeit stellte Andreas jedoch fest, dass er sein Handy höchstpersönlich in den Wagen gelegt hatte und die Tasche mit den Geldbeuteln da war, wo sie hingehört. Andreas hatte sie nur „übersehen“. Also das hat mich wirklich total gestresst und ich brauchte eine Weile, um mich von dem Schrecken zu erholen.

Nach knapp 58 Kilometern kamen wir in einen kleinen Ort, der sich Lebring nennt. Wir entdeckten einen hübschen Platz, der extra für Radfahrer eingerichtet schien. Es gibt einen Trinkwasserbrunnen, eine hübsche, überdachte Sitzbank und Fahrradwerkzeug. Eine öffentliche Toilette erreicht man in zwei Gehminuten.

Eigentlich wollten wir hier nur anhalten, um eine Kaffeepause zu machen. Aber dann entschlossen wir uns, hier bis morgen früh zu bleiben. Denn hier haben wir – bis auf eine Steckdose – alles, was wir brauchen.

Hinter dem Platz verläuft direkt der Mur-Radweg am Fluss entlang. Und diesen nutzte ich am frühen Abend, um mit Casper einen schönen langen Spaziergang zu machen. Auf dem Rückweg sah ich, dass der Himmel immer dunkler wurde. Außerdem hörte man den Donner. Als plötzlich ein starker Wind aufkam, war klar, dass es jeden Moment anfangen würde, zu regnen. Das tat es auch. Casper und ich beeilten uns, zum Wagen zurück zu kommen, aber wir wurden beide trotzdem klatschnass.

Und als wir zum Wagen zurück kamen, stellte ich fest, dass das Regenverdeck nicht auf unserer Zugmaschine war. Andreas hatte weder den schwarzen Himmel bemerkt, noch das Donnergrollen gehört und seine Wetter-App hatte ihm gesagt, dass der Regen schon vorbei sei. Ich konnte mir nicht verkneifen, ihn darauf hinzuweisen, dass manchmal der Blick zum Himmel besser hilft, als der Blick auf’s Handy!

Aber so wie sich der Himmel auf einmal wieder aufhellte und eine Wolkenlücke sogar ein paar Sonnenstrahlen durchließ, klarte sich auch unsere Stimmung wieder auf.

Es fliegt noch eine Stechmücke in unserem Wagen herum. Die muss ich noch finden und beseitigen. Dann ist alles wieder gut 😉.

Nachtrag: ich hab‘ sie erwischt! Leider erst, nachdem sie mich in jeden Fuß einmal gestochen hat. Das juckt wie verrückt! Aber diese Mücke tut das nie wieder…

Noch ein Nachtrag: Andreas sagt, die Steckdose brauchen wir heute auch gar nicht. Der Akkus haben schon wieder 90 % – auch ohne Steckdose.


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