Nach fast 1.000 km laden an der Steckdose

Der Wecker klingelte – wie jeden Tag – um 7 Uhr. Aber diesmal wurden wir nicht aktiv, sondern drehten uns einfach nochmal um. Draußen regnete es nämlich. Keiner von uns hatte Lust, aufzustehen.

Aber irgendwann mussten wir nun mal die Blase entleeren. Angenehm war, dass zumindest wir Zweibeiner diesmal keinen Busch aufsuchen mussten, hinter dem wir uns dazu verstecken konnten, sondern die schöne, saubere Toilette beim Friedhof benutzen durften.

Auch das Kaffeewasser erhitzten wir an der Steckdose beim Friedhof. Gefrühstückt wurde dann gemütlich im Wagen.

Heute ging leider unser Vorrat an selbst gemachtem Quittengelee zur Neige. Wir hatten so viel davon mitgenommen, dass wir bis heute davon essen konnten. Nun müssen wir eben notgedrungen auf „gekaufte Marmelade“ umsteigen.

Beim Start heute waren unsere Fahrradakkus zu etwa 60 % gefüllt. Es war uns jedoch beim Losfahren schon klar, dass wir auf jeden Fall zwischendurch laden müssen.

Andreas suchte in einer App über E-Bike-Ladestationen einen Ort aus, an dem es zwei Möglichkeiten zum Laden gab. Bis dort hin wären es etwa 40 Kilometer.

Als die Unterstützung merklich schwächer wurde und wir uns nur noch mühsam mit 7 km/h fortbewegten, waren es aber immer noch vier Kilometer bis zu dem Ort. Als endlich das ersehnte Ortsschild auftauchte, standen wir aber vor einem neuen Problem: wir mussten eine Bahn-Unterführung nehmen.

Andreas lenkte unser Gespann rechts ran und wir beratschlagten, wie wir auf die andere Seite kommen könnten. Während wir so standen und überlegten, entstand über uns eine Wolkenlücke. Die reichte aus, um unsere Akkus in wenigen Minuten zumindest so weit zu laden, dass wir es wagen konnten, die Unterführung zu nehmen. Andreas zählte auf drei, wir traten so kräftig in die Pedale wie wir nur konnten. Andreas holte aus den Akkus raus was ging – mit Schwung, dem Einsatz Muskelkraft und ein paar Watt aus den Akkus, erreichten wir die Senke und schafften es auf der anderen Seite tatsächlich auch wieder nach oben.

Aber schon wartete das nächste Problem auf eine Lösung: beide Ladestellen waren nicht zugänglich. Eine war nur für heute abgesperrt, die andere war dauerhaft außer Betrieb. Eine Autoladesäule bei einem Supermarkt akzeptierte unsere EC-Karte als Zahlungsmittel nicht.

Doch wir fanden wieder mal eine Lösung. Neben dem Supermarkt gab es eine Elektroinstallations-Firma. Dort fragten wir, ob wir Strom bekommen könnten, um unsere Akkus zu laden. Der Eigentümer des Geschäfts war super freundlich. Er meinte: „Klar – kein Problem! Fahrt neben den Bus dort drüben. Ich schalte euch die untere Steckdose frei. Die könnt ihr benutzen.“

Wir verbrachten dann eine schöne, mehrstündige Mittagspause unter einem Solardach. Es war auch von der Temperatur her heute sehr angenehm.

Am späten Nachmittag machten wir uns wieder auf den Weg. Allerdings fuhren wir nur 16 Kilometer weiter. Dort hatte Andreas nämlich die nächste E-Bike-Ladestation ausgemacht. Die wollte er ansteuern, damit wir morgen mit vollen Akkus die Steigung nehmen können, die dann auf uns wartet. Morgen müssen wir über einen Pass in die Steiermark.

Den angegebenen Platz fanden wir mühelos. Eine Stange musste aber weg, damit wir näher an die Steckdose ran kamen. Zum Glück habe ich einen Mann mit Bärenkräften…

Andreas schnappte sich gleich unseren Wasserkocher, um damit die Steckdosen zu testen. Alle vier Schuko-Steckdosen funktionierten einwandfrei. Sofort hängten wir alles, was geladen werden muss, an diese Dosen.

Dass der Platz auch noch überdacht ist, war auch super. Denn es kamen nochmal ein paar Regenschauer. Nur der hintere Teil des Wohnwagens wurde nass. Das Zugfahrzeug steht komplett im Trockenen. Perfekt! So mussten wir nichts mit der Regenhülle einpacken.

Pole-Dance mal anders…

Während wir alles für die Übernachtung an dem Platz klarmachten, kam ein Mann zu uns. Er hatte uns vorher bereits auf der Straße fahren sehen und sich gewundert, was DAS denn sei. Und als er wieder zu Hause war, stand genau dieses seltsame Teil praktisch direkt neben seinem Haus! Er fragte, ob er ein Foto machen dürfe. Natürlich durfte er.

Andreas fragte ihn, ob wir von ihm ein bisschen Duschwasser haben könnten. Wir stehen heute ja mal weder am Friedhof, noch am Sportplatz. Da meinte er, wir sollen doch einfach zu ihm rüber kommen und bei ihm duschen. Wir sollten alle drei kommen und ihm noch ein bisschen Gesellschaft leisten. Der Hund müsse allerdings der Leine bleiben, weil er eine Katze habe.

Der hilfsbereite Mann, er heißt Hans, bot uns gleich noch was zu trinken an, machte uns ein Abendbrot und lud uns für morgen früh zum Frühstück ein. Und wenn heute Nacht irgenwas wäre – z. B. ein Unwetter, dann sollen wir den Wagen unter seinen windgeschützten Carport stellen.

Es gibt ja diesen Spruch: wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben… Ohja, das stimmt. Wir erleben jeden Tag, dass es richtig viele freundliche Menschen gibt. Man hört ja manchmal Leute sagen:“ Jeder denkt doch nur noch an sich.“ Das weise ich entschieden zurück. Wir machen jeden Tag ganz andere Erfahrungen.


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1 Kommentare zu “Nach fast 1.000 km laden an der Steckdose”

  1. Ihr Lieben, euer Blog ist seit euerer Abreise unsere Frühstückslektüre. Eure Begegnungen berühren mich sehr. Zu sehen wie tolle Menschen es gibt, die eben nicht nur an sich denken und vielleicht auch mal zu überlegen, wie man selbst Menschen begegnet.
    Wir wünschen euch weiterhin eine tolle Zeit und begleiten euch weiterhin ( wenn auch nur auf euerem Blog und in Gedanken)
    Liebe Grüße, Edy, Annette und Flint

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