Ingrid hatte auf acht Uhr einen Kaffee mit Rosinenzopf für uns vorbereitet. Milch und Marmelade konnten wir beisteuern. Nach dem Frühstück bestand Inge darauf, dass wir den übrig gebliebenen Rest des Rosinenzopfs als Wegzehrung mitnahmen. Außerdem gab sie uns drei Liter Mineralwasser und eine Rolle Küchenpapier mit.
Somit konnten wir bestens versorgt wieder auf die Strecke gehen. Das Ziel für heute war klar. Wir wollten auf jeden Fall Wien erreichen, aber auch bis zum Abend wieder draußen sein. In Wien könnte man mit Sicherheit Monate verbringen und trotzdem hätte man noch nicht alles „Sehenswerte“ gesehen.
Wir fuhren an Schloss Schönbrunn vorbei, aber hielten weder an, noch pilgerten wir mit den anderen Menschen zum Kassenhäuschen. Nicht einmal ein Foto machten wir davon.
Aber was bedeutet es denn überhaupt, „sehenswert“ zu sein? Für manche Menschen sind Sehenswürdigkeiten Kirche, Schlösser, Burgen, für andere sind es Naturdenkmäler, Museen, Galerien.

Für Andreas und mich kann ein Baum, eine Blume, ein altes Haus oder auch ein Eselchen auf einer Weide sehenswert sein. Wir saugen den ganzen Tag die Dinge auf, die wir sehen. So haben wir es auch mit Wien gemacht. Wir haben Dinge gesehen, die in keinem Reiseführer stehen Und doch empfanden wir sie als sehenswert.
Für die Mittagsrast suchen wir uns übrigens immer ein Plätzchen aus, das uns nicht nur genug Schatten bietet, um länger dort verweilen zu könnnen, sondern es sollten auch Feld oder Waldwege von dort wegführen. Wir machen es dann immer so, dass ich mir gleich mal Casper schnappe und einen kleinen Spaziergang mit ihm auf eben diesem Wald- oder Feldweg mache während Andreas die Stühlchen und das Tischchen aufbaut. So bald Casper und ich dann zurück sind, holen wir die Lebensmittel aus unserem „Kühlfach“ und es kann gegessen werden.


Manchmal ist dann noch Zeit, zu lesen. Heute war ich jedoch damit beschäftigt, die Strecke anzupassen. In der ursprünglichen Planung waren doch noch einige Wege drin, die wir zwar von der Breite und der Beschaffenheit des Untergrunds her benutzen könnten, aber nach der Schiebe-Aktion von gestern, schauten wir die Wege nochmal genauer an. Wir verlegen die Route am liebsten auf etwas größere Landstraßen.
Übernachtet wird heute beim Friedhof von Oeynhausen. Der liegt im Wohngebiet. Und weil dahinter die Felder beginnen, begegneten uns auch jede Menge Hunde mit ihren Menschen. Deshalb warteten wir noch etwas, bis wir die Dusche aufbauten und setzten uns stattdessen mit unseren Stühlchen auf den Gehweg.

Außerdem wechselte Andreas ein paar Bremsbeläge am Zugfahrzeug. Die alten Beläge quietschten furchtbar. Nun sind wir gespannt, ob das Quietschen morgen vorbei ist.

Der Friedhof hier ist übrigens super. Es gibt wunderbar saubere Toiletten. Nicht nur in der Damen- und Herrentoilette ist jeweils ein Waschbecken, sondern es gibt sogar noch ein extra Waschbcken im „Flur“. Dieses benutzte ich dann, um Wasser in den Falteimer zu füllen, damit das schmutzige Geschirr gewaschen werden konnte.
Steckdosen hab ich auch mehrere entdeckt. Dann kann das Kaffeewasser morgen mit dem Wasserkocher erhitzt werden.

Als alle Hundebesitzer*innen mit ihren Hunden draußen waren, wurde es aber ruhiger. Wir hängten den Duschvorhang auf und duschten.

Als wir am Übernachtungsplatz ankamen, zeigte das Thermometer immer noch 30 Grad Celsius an. Zum Glück wurde es mit jeder Stunde, die wir warteten, etwas kühler. Und irgendwann war es dann kühl genug, dass wir es im Wohnwagen auch gut aushalten konnten.
