Wir waren gerade fertig mit dem Frühstück und packten unsere Sachen zusammen, da fuhr ein Auto auf den Parkplatz des Vereinsheims. Ein Mann in Andreas‘ Alter stieg aus und erkundigte sich, was das denn sei. Er war früher Automechaniker, hatte unser Gefährt auf dem Parkplatz stehen sehen und wollte unbedingt herausfinden, was das Ding da ist.
Er schaute unser Gespann mit großem Intersse an. Immer wieder nickte er anerkennend und sagte schließlich:“ Wohnwagen – Wohnmobil: naaah! Bin i däppert? Aber des do – des is echt!“
Weil wir kaum noch Lebensmittel an Bord hatten, fuhren wir den ersten Lebensmittelladen an, der auf der Strecke lag. Aber – die Tür war verschlossen. Ich wunderte mich, weil doch Samstag war. Ein Mann kam hinzu und ich fragte ihn, wieso der Laden denn am Samstagmorgen geschlossen wäre. Er sagte, es sei Feiertag. Mist! Und morgen gibt es auch nichts. Da ist Sonntag.
Aber wir bekamen von einem Rennradfahrer einen super guten Tipp. Im übernächsten Ort gäbe es eine Bäckerei, die auch verschiedene andere Lebensmittel verkaufe. Man brauche nur eine EC-Karte, um den Laden zu betreten und könne die Sachen, die man kauft abscannen und mit der Karte bezahlen. Man könne sogar Kaffee und Kuchen kaufen und direkt vor Ort an den Tischen im Laden oder draußen verzehren. Total super. Das wäre auch was für Wagshurst.
Der Platz war auch ein richtiger Treffpunkt für die Leute im Dorf. Es war richtig was los.


Auf unserem Weg Richtung Melk fanden wir auch noch einen Obststand am Wegesrand. Dort konnten wir Marillen und Zwetschgen kaufen. Und bei einem kleinen Dorffest aßen wir etwas zu Mittag. Dass heute Feiertag und morgen Sonntag ist, braucht uns also keine Sorgen zu machen. Wir werden nicht hungern.

Bis zum Nachmittag kamen wir richtig gut voran. Aber dann führte unser Weg von der Donau weg und es kamen hintereinander mehrere ordentliche Anstiege. Einer davon hatte satte 18 % und es ging nicht weiter. Wir brauchten zwei Anläufe, aber dann fanden sich Leute, die am Feiertag bereit waren, mit mir hinten am Hänger zu schieben, während Andreas vorne steuerte. Allerdings meinten unsere Helfer, dass das noch lange nicht alles war – es würden auf dem Weg noch weitere ordentlich steile Anstiege folgen und wir sollten lieber umdrehen und unten die Bundesstraße Richtung St. Pölten nehmen. So machten wir es dann auch. Wahrscheinlich hatten wir diese steilere Strecke geplant, um eben nicht auf der Bundesstraße fahren zu müssen. Aber diese erwies sich tatsächlich als bessere Wahl. Die allermeisten Autofahrer haben keinen Stress mit uns. Es sind nur ganz, ganz wenige, die uns mitteilen, dass sie uns auf „ihrer“ Straße nicht haben wollen. Damit kommen wir klar.

Wenige Kilometer vor St. Pölten beendeten wir die heutige Etappe nach 95 Kilometern in einem Ort namens Gerersdorf.
Wir steuerten den Sportplatz an und trafen dort eine Frau, die im Schatten des Vereinsheims saß. Sie freute sich riesig über die Abwechslung, die wir boten und war super hilfsbereit. Sofort bot sie uns an, bei ihr zu Hause zu duschen. Sogar das Gästezimmer wollte sie uns für die Nacht anbieten, weil sie ganz alleine ein riesiges Haus bewohnt. Das Gästezimmer lehnten wir ab, zumal wenigstens unser Wohnwagen für Casper eine Konstante darstellt. Jeden Tag ist alles wieder anders für ihn, aber der Wohnwagen bleibt. Wir denken, dass ihm das auch eine gewisse Sicherheit gibt.
Allerdings durften wir bei der Frau – sie heißt Ingrid – unsere Wäsche in der Waschmaschine waschen. Das war klasse! Ab morgen haben wir wieder saubere Klamotten an Bord und sm Leib. Naja, die warmen Klamotten sind auch noch sauber, aber die mag ja momentan keiner von uns anziehen.

Und dann ist noch ewas sehr Interessantes und Bewegendes passiert: ich wollte gerade die Milch aus dem Wohnwagen holen (weil Ingrid sie bei sich in den Kühlschrank stellt, um zu verhindern, dass sie bis zum Frühstück sauer wird), da sah ich eine junge Frau neben unserem Wohnwagen. Ihr Fahrrad mit einem Stroh-Hut und Taschen am Gepäckträger hatte sie daneben abgestellt. Da sie sich offensichtlich für unser Gespann interessierte, sprach ich sie an und zeigte ihr unser „Zuhause auf Zeit“.

Als es Zeit wurde, dass ich wieder zu Andreas und Ingrid hinüber ging, die sich schon wunderten, wo ich so lange blieb, passierte etwas Merkwürdiges. Die junge Frau und ich umarmten uns zum Abschied. Einfach so, ganz spontan, obwohl wir uns vor wenigen Minuten das erste Mal im Leben gesehen haben. Aber es gibt irgendwie Menschen, die man noch nie getroffen hat, aber bei denen es sich anfühlt, als würde man sich schon ewig kennen. Schon komisch, oder?

Jetzt sind wir in unserem Wohnwagen, ich schreibe noch schnell den Blog fertig und dann wird geschlafen. Hoffentlich wird es bald etwas kühler. Am Montag soll es jedenfalls einen kleinen Wetter-Umschwung geben. Unser Entschluss, die Schleife, die wir fahren wollen, umzudrehen, steht nun fest. Wir werden als nächstes Knittelfeld ansteuern. Vielleicht haben wir noch Zeit, jemanden in Neusiedl zu besuchen. Das kommt jetzt darauf an, wie gut es in den nächsten Tagen läuft.

Hallo ihr zwei schön dass ihr gut vorankommt und bisher keine Probleme hattet. Wir sind nun auf dem Rückweg aus den Pyrenäen, fahren aber erst noch zum Atlantik. Euch weiterhin eine gute Fahrt.