Oberste Priorität hatte heute Morgen, einen Tierarzt zu finden, der nicht gerade Urlaub hat. Wir hatten Glück – im 11 Kilometer entfernten Villigen fanden wir eine Tierarztpraxis und bekamen auch vormittags noch einen Termin. So führte unser Weg nach dem Frühstück und dem Morgenspaziergang direkt dorthin.

Die Ärztin und die Mitarbeitenden waren super lieb. Sie hatten es nicht gerade einfach, weil Casper den Kopf einfach nicht stillhalten wollte. Er schaffte es immer wieder, den Kopf wegzudrehen, wenn die Ärztin das Auge spülen wollte. Es gelang dann letztlich aber doch.

Es stellte sich heraus, dass Caspers Hornhaut am linken Auge verletzt ist. Das wird zwar wieder, aber er muss jetzt permanent eine Halskrause tragen, wenn wir ihn nicht im Auge haben können. Er darf sich weder kratzen, noch das Auge irgendwo entlang reiben. Zusätzlich müssen Andreas und ich ihm mindestens sechsmal am Tag Salbe ins Auge tun. Dreimal dürft ihr raten, wie er das findet…

Am späten Vormittag konnten wir unseren Weg fortsetzen. Die Mittagspause verbrachten wir in einem kleinen Ort, in dem wir Sitzbänke im Schatten entdeckten. Diese waren neben einem Bio-Gemüsestand.

Eine Frau befüllte gerade einen Kühlschrank mit Salat und Gurken. Da der Kühlschrank ja auch mit Strom versorgt wurde, fragten wir die Frau, ob wir auch unseren Wasserkocher kurz an die Mehrfachsteckdose anschließen dürfen, um Wasser für den Kaffee zu kochen. Sie war sofort einverstanden.

Nach der gemütlichen Mittagspause mussten wir wegen einer Baustelle eine Umleitung nehmen.

Obwohl wir uns in der Pause gut gestärkt hatten, reichte die Kraft von uns und unseren Motoren leider nicht ganz aus, die letzte giftige Steigung in den nächsten Ort zu nehmen. Aber ein Radfahrer kam uns zu Hilfe. Andreas blieb vorne am Lenker – der Mann und ich schoben von hinten am Hänger. Mit der zustätzlichen Manpower schafften wir die letzten Meter bis zur Kuppe.

Wenigstens wissen wir jetzt, was zu tun ist, wenn wir mal eine Steigung nicht schaffen: warten bis jemand kommt, der beim Schieben hilft. Der Radfahrer meinte zum Abschied noch: „Das ist halt die Schwäbische Alb!“ Und Andreas hat gestern noch so kühn behauptet, dass es ja jetzt bis Budapest eigentlich nur noch bergab gehen dürfte. Die Donau fließt schließlich runter ins Schwarze Meer. Das mag ja sein – wenn man mit einem Schlauchboot unterwegs ist und nicht mit einem Fahrrad/Kettcar/Sondergefährt.
Kurz nach Tuttlingen kamen nochmal zwei Steigungen. Die hatten aber nur 8 Prozent und waren deshalb kein Problem.

Übernachtet wird heute in Neuhausen ob Eck neben einer Halle, einer Schule und einem Sportgelände. Wir stehen hier sehr gemütlich zwischen der Halle und ein paar Wohnhäusern. Zwar haben wir an der Halle nirgends einen Wasserhahn entdeckt, aber ich fand eine Art kleines privates Hof-Fest. Dort fragte ich, ob mir jemand Wasser für die Dusche geben könnte und wenige Minuten später war ich mit dem gefüllten Wasserkanister wieder unterwegs zu unserem Wohnwagen. Die Leute luden uns auch noch zu einem Bierchen ein.
Andreas nahm die Einladung mit Freuden an. Ich zog es vor, mit Casper im Wohnwagen zu bleiben. Der Tag war aufregend genug für ihn. Er hat tagsüber weder geschlafen noch geruht. Ich wollte, dass er nun endlich schlafen konnte.
Um kurz vor 22 Uhr war Andreas wieder da. Im Wohnwagen hatte es um die Uhrzeit übrigens super angenehme 22 Grad Celsius.

Mit kanpp über 60 Kilometern heute, haben wir einen ersten „Puffer-Tag“ geschafft. Wir haben die Reise mit 50 km pro Tag geplant. Bei einer Reise, die über so einen langen Zeitraum geht, darf die durchschnittliche Etappenlänge nicht zu hoch sein. Denn es kann ja immer mal was sein. Ob nun jemand was ins Auge bekommen hat, oder was am Fahrzeug ist – Puffertage zu haben, ist sehr beruhigend. Und noch beruhigender is es, zu wissen, dass es zu Hause Menschen gibt, die uns im Notfall „retten“ würden.
Gute Besserung an Casper und gute Weiterfahrt!