Ein kleines bisschen Pech und ganz viel Glück

Mit Elisabeth und Dietmar war besprochen, dass sie uns heute wieder ein Stück begleiten und dann zu ihrem Wohnwagen zurückkehren würden.

Andreas und ich wollen ab heute ganz gemütlich die 560 Kilometer zu ihrem Haus in der Auvergne fahren. Dafür wollen wir uns knapp zwei Wochen Zeit lassen.

Für eine Pipi-Pause hielten wir auf einem Friedhofs-Parkplatz, ein paar Kilometer vor Lisieux. Kurz bevor wir weiterfahren wollten, hörten wir schon wieder dieses Geräusch eines Reifens, der Luft verliert.

Das war nun schon der dritte Platten am selben Rad. Und jedes Mal ist das Loch auf der Innenseite. Wir tasteten sowohl die Felge als auch den Fahrradmantel ab – fanden aber nichts. Leider haben montags viele Geschäfte geschlossen. Wir konnten im Supermarkt zwar einen neuen Schlauch kaufen, aber kein neues Felgenband. Denn das möchte Andreas das nächste Mal austauschen, um zu sehen, ob danach Ruhe ist.

In Lisieux nahmen wir wieder einmal Abschied von Elisabeth und Dietmar, die sich die Basilika noch ansehen wollten.

Andreas und ich radelten weiter, um bald ein Plätzchen für die Mittagspause zu finden.

Hierzu brachten wir unser Rad in einem Ort namens Le Mesnil-Guillaume zum Stehen. Wir hatten gerade unsere Campingstühle aufgebaut und wollten unseren Nudelsalat, den wir vorher im Supermarkt gekauft hatten, aus dem „Kühlfach“ holen, als eine Frau aus einem Auto stieg und mit zwei Eistüten auf uns zukam.

Sie und ihr neunjähriger Sohn hatten uns kurz zuvor gesehen. Der Sohn war nun in der Schule, aber die Frau (sie heißt Fanny), hatte gesehen, dass wir beim Rathaus standen und brachte uns jeweils ein Erdbeer- und ein Schokoladeneis, worüber wir uns riesig freuten. Fanny zeigte auf eines der Häuser, das ganz in der Nähe stand und fragte, ob wir nicht Lust hätten, unser Essen bei ihr im Garten einzunehmen. Sie fügte hinzu, dass der Garten eingezäunt sei und der Hund frei herumlaufen könne.

Ganz schnell packten wir unsere Campingstühlchen wieder ein und fuhren hin. Es war wunderbar! Zu unserem Nudelsalat brachte Fanny Getränke, ein Schokoladen-Dessert und hinterher sogar noch Kaffee. Es ist wirklich unglaublich, was für eine Gastfreundschaft wir auch auf dieser Reise immer wieder erfahren. Es ist so schön, Menschen zu treffen, die ganz unvoreingenommen fremde Menschen zu sich einladen.

Wir waren also fast zwei Stunden dort und sprachen miteinander. Am Ende unseres Besuchs durfte ich noch Fannys Atelier anschauen. Sie iat nämlich Künstlerin. Auch tauschten wir uns aus, wie man alten oder gefundenen Dingen wieder neues Leben einhauchen kann. Wir inspirierten uns gegenseitig und Fanny schenkte uns zum Abschied eines ihrer Bilder. Unglaublich!

Nachdem wir unsere Reise fortgesetzt hatten, überlegten wir, heute etwas weiter zu fahren als vorgesehen. Morgen wird das Wetter schlecht, so dass unsere Akkus keine Sonne tanken können. Da werden wir lieber die Etappe morgen etwas kürzer machen.

Unseren Übernachtungsplatz fanden wir heute auf einem Parkplatz hinter dem Rathaus in Montreuil-l’Argille. So lange die Sonne noch schien, luden wir unsere Akkus voll und aßen etwas.

Ein geschütztes Plätzchen für die Dusche zu finden, würde allerdings nicht ganz einfach werden. Der Platz war videoüberwacht. Während wir überlegten, wo wir den Duschsack aufhängen könnten, kam ein Mann, um sich unser Fahrrad und den Wohnwagen anzuschauen. Er sprach sehr gut Englisch, was für mich auch einfacher war als Französisch. Er verabschiedete sich, aber kam nach wenigen Minuten nochmal zurück. Er meinte, wenn wir gerne einen etwas gemütlicheren Platz zum übernachten haben möchten, könnten wir auf sein Grundstück umziehen, das direkt nebenan hinter der Mauer liegt. Wir könnten es auch gerne vorher anschauen.

Andreas verschwand mit ihm und als er zurück kam, rief er mir schon von Weitem zu: “ Honey, pack schnell alles in den Wagen. Wir ziehen um. Das ist ein Paradies!“

Das Grundstück von Marc und Marie Claude ist riesig und es fließt ein Bach mitten hindurch. In dem Bach gibt es sogar Forellen.

Die beiden haben auch eine Hündin, mit der sich Casper frei auf dem Grundstück bewegen konnte.

Marc brachte uns eine Kabeltrommel, damit wir unsere Handys aufladen konnten. Außerdem durften wir im Haus duschen. Die Dusche befand sich im Obergeschoss, zu dem Hunde keinen Zutritt haben. Also blieb Casper unten. Als Andreas und ich von der Dusche wieder nach unten ins Erdgeschoss kamen, sagte Marie Claude zu uns:“ Casper hat beschlossen, schon mal zu seinem eigenen Haus zurück zu gehen.“

Und tatsächlich – als Andreas und ich wieder bei unserem Wohnwagen ankamen, lag Casper davor und wartete auf uns.

Es war ein weiterer wunderschöner Tag!


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1 Kommentare zu “Ein kleines bisschen Pech und ganz viel Glück”

  1. Ihr seid richtige Glückspilze oder Leben wie Gott in Frankreich🇨🇵 Wir hoffen sehr, dass ihr den Regen der letzten Nacht gut überstanden habt!

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