Bauchentscheidung war wieder richtig

Die Übernachtung in Möding war klasse. Einen so ruhigen Platz haben wir seit unserer Abreise von zu Hause noch nicht gehabt. Außerdem kam in unseren Wagen so schön kühle Luft, dass wir sogar den Ventilator irgendwann nachts ausschalteten.

Morgens fiel es uns schwer, uns aus dem kuscheligen Bett herauszuschälen. Ich ging mit Casper nochmal die gleiche Gassirunde wie gestern Abend und genoss dabei die kühle Luft.

Andreas richtete in der Zeit das Frühstück im Schatten des Feuerwehrhauses. Als wir gerade bei unserer zweiten Tasse Kaffee waren, kam zuerst der „Nachbar“ des Feuerwehrhauses zu uns. Auch er dachte, wir würden eine Art Ferienprogramm für Kinder veranstalten. Von ihm kam sogar die Frage, was wir eigentlich tun, wenn wir mal auf die Toilette müssen und keine in Reichweite ist. Er bekam zwar keine Demonstration unserer Klapp-Toilette, aber eine Kurzanleitung…

Während wir uns noch unterhielten, kamen auch Christa und Klaus, bei denen wir gestern den Abend verbracht hatten, dazu. Sie brachten uns einen Plastikbeutel mit Tomaten aus ihrem Garten. Diese wurden von Andreas mittags zu einem leckeren Tomatensalat verarbeitet. Dazu gab es frisches Brot und ein Vanillejoghurt zum Dessert.

In der „Mittagspause“ hatten wir auch wieder zwei richtig schöne und interessante Begegnungen. Zuerst hielt ein junger Mann neben uns, der auch auf einer längeren Radreise zu sein scheint. Er hatte einen Hund dabei. Dieser saß unglaublich geduldig in einer gekürzten Baumarkt-Kiste ohne Schatten. Wenn Casper das nächste Mal auf seinem königlichen Loge-Platz motzt, werde ich ihm sagen, dass das auch ganz anders ginge…

Die zweite Begegnung war mit einem Ehepaar auf Einzelrädern. Sie hatten unser Gefährt gesehen und mussten unbedingt umkehren, um sich das genauer anzuschauen. Auch mit den beiden unterhielten wir uns gerne. Es ist witzig, wie man schon weiß, ob die Chemie stimmt, noch ehe die Leute die erste Frage gestellt haben.

Am Nachmittag erreichten wir Passau, wo wir im Kleintierzentrum den Termin mit Casper hatten. Es sollte ja nachgeschaut werden, ob sein Auge wieder okay ist. Auch in dieser Tierarztpraxis waren alle Mitarbeitenden super freundlich und sofort begeistert von unserem Fahrzeug. Sie gingen sogar alle drei direkt nach draußen, um den QR-Code zu scannen. Eine der jungen Frauen sagte sogar zu ihrem Chef:“ Das müssen sie sich anschauen!“. Also ging auch er nach draußen, um herauszufinden, was bei den jungen Damen solch eine Begeisterung ausgelöst hatte.

Die allerbeste Nachricht jedoch war, dass Caspers Auge vollständig verheilt ist. Von der Verletzung an der Hornhaut war nichts mehr zu sehen. Der Tierarzt sagte mir, dass ich die Behandlung einstellen und diesen Trichter ab sofort wieder weglassen könne. Juhuu. Andreas und ich waren sehr erleichtert und Casper ist wahrscheinlich froh, wieder besser Platz in seiner Box zu haben. Außerdem stößt er nicht mehr permanent irgendwo dagegen.

Nach dem Tierarztbesuch fuhren wir auf einen Parkplatz in Passau – direkt am Wasser. Dort standen schon jede Menge Wohnmobile. Aber: unser Bauchgefühl meldete sich. Wir fühlten uns überhaupt nicht wohl. Die riesigen Plätze boten nirgends Schatten, die Möglichkeiten für die Gassi-Runde waren dürftig und einen Wasserhahn gab es leider auch nirgends. Ein Wohnmobilfahrer erklärte uns, es gäbe wohl in der Nähe eine Stelle, an der man normalerweise Wasser holen könne, aber das sei gerade defekt.

Nein, der Platz war zwar kostenlos, aber bei der Hitze nicht für uns geeignet. Das bedeutete, wieder einzupacken und woanders einen Platz für die Nacht zu suchen. Da fiel uns ein, dass wir uns bei der Triftsperre im Stadtteil „Hals“ vor ein paar Jahren mit Hans und Angelika getroffen hatten. Damals haben wir in einem Gartenhäuschen übernachtet. Wir waren gespannt, ob unser Gefährt die Steigungen zur Triftsperre schaffen würde. Es klappte und wir freuten uns riesig, hier einen tollen Platz für die Nacht zu haben und außerdem abends noch im dortigen Biergarten ganz lecker essen gehen zu können.

Cool ist außerdem, dass wir morgen früh mit den anderen Hotelgästen in der Gaststube ein Frühstück bekommen können. Das gönnen wir uns nun zum Abschluss der ersten bzw. Start der zweiten Reisewoche.


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