Alles außer Schnee

Es ist noch keine Woche her, da haben wir viel unternommen, um dafür zu sorgen, dass wir drei keinen Hitzschlag bekommen. Heute Morgen habe ich mit dem Gedanken gespielt, Handschuhe und Mütze aus den Tiefen meiner Kleiderkiste hervorzuholen und anzuziehen. So ist es uns allerdings deutlich lieber als die Hitze von letzter Woche.

Nach dem Spaziergang trugen wir unsere Sachen wieder von dem Gästehäuschen zurück zu unserer „Roulotte“. Yves drückte Andreas zum Abschied einen Zettel in die Hand, dessen Text uns sehr rührte.

Bis jetzt sind wir ausschließlich mit super freundlichen Menschen in Kontakt gekommen. Das ist auch das Besondere an dieser Art, zu reisen. Man kann es nicht vergleichen mit einem normalen „Urlaub“. Wir kommen jeden Tag mit Menschen in Kontakt, die sich für uns und eben diese Reise-Art interessieren. Und wir dürfen ein bisschen erfahren, wie die Menschen leben, denen wir begegnen. Was sind ihre Interessen, was denken sie zu veschiedenen Themen? Das ist sehr bereichernd.

Nachdem wir uns also von Yves und Sylvie verabschiedet hatten, folgten wir unserem Track und hielten nach einer Bäckerei Ausschau. Es hätte eine Bäckerei drei Kilometer in die entgegengesetzte Richtung gegeben. Aber gleich morgens in die falsche Richtung zu fahren, widerstrebte uns. Es würde schon noch eine Bäckerei kommen. Das war auch so – nach 28 Kilometern.

Wir freuten uns riesig, dass die erste Bäckerei, die wir heute sahen, sogar Sitzplätze hatte. Und das Wichtigste: Hunde waren erlaubt. So machten wir es uns erst mal darin gemütlich, um zu frühstücken.

Während der Fahrt heute zogen wir mehrmals die Regenponchos über, um sie kurz darauf wieder auszuziehen. Das Wetter wechselte ganz oft hin und her und der Wind wehte noch ein bisschen stärker als gestern.

Aber auch die Sonne ließ sich oft genug blicken, um unsere Akkus bis zum späten Nachmittag wieder voll zu bekommen. Wir waren angenehm überrascht, dass wir uns nicht auf die Suche nach einer Ladesäule begeben mussten.

Unser Tagesablauf ist jeden Tag sehr ähnlich und doch erleben wir jeden Tag etwas Neues. Es ist herrlich, so vor sich hinzustrampeln und die Eindrücke aufzusaugen. Ich habe das Gefühl, dass mein Kopf den ganzen Tag Bilder macht:

Klick – ein Schmetterling. Klick – ein altes Bauernhaus mit einem riesigen Dach. Klick- ein Weizenfeld mit ein paar verstreuten Mohnblumen darin. Klick – ein Turmfalke…

Und dann ist es jeden Tag spannend, wo wir wohl übernachten werden. Das ist aber mit dem Wohnwagen überhaupt kein Problem. Mit dem Zelt war das deutlich schwieriger. Wir fragen immer gerne, ob wir an dem Platz, den wir uns ausgesucht haben, stehen dürfen. Wenn jemand sein „okay“ gegeben hat, ist es uns am liebsten.

Heute stehen wir direkt neben einem Fußball-/Basketballfeld. Bei dem Wetter werden sich keine Leute hierher verirren. Ein Landwirt fuhr schon ein paarmal mit seinem Traktor vorbei. Der Weg führt nämlich zu seinem Hof. Ich habe ihn gefragt, ob wir ihm an unserem ausgesuchten Platz im Weg sind. Er meinte:“Nein, überhaupt nicht!“. Dann holte er sein Handy hervor und machte Bilder.

Es ist schön, dass wir unsere Etappen inzwischen so wählen, dass noch richtig viel Zeit für Spaziergänge, Nickerchen, Picknicks und Lesestunden bleibt.

Sich treiben lassen, aber sich nicht getrieben fühlen – das ist es.


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1 Kommentare zu “Alles außer Schnee”

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