Rettung naht

Passend zu unserer Gemütslage regnete es heute Morgen. Wir waren so froh, dass wir mit dem Wagen unter dem Dach der Schifffahrtsaufsicht standen. Da gab es sogar eine Steckdose. Wir konnten uns Kaffee kochen und für den Mittag ein paar Instant-Nudeln kochen.

Als wir schon längst abfahrtbereit waren, regnete es immer noch. Möglicherweise wäre es klug gewesen, einfach in Aschach an der Donau zu bleiben und dort auf unsere Helfer zu warten. Zumal es ein paar Kilometer Strecke gab, die durch Schranken für PKW nicht zugänglich sein würden. Es gab also ab der Schranke einen „Point of no return“. Wenn wir da drin eine weitere Panne hätten, müssten wir notfalls irgendwie mit nur drei Reifen bis zur nächsten Schranke kommen, von wo aus wir gerettet werden könnten.

Aber einfach nur in Aschach sitzen bleiben, wollten wir auch nicht. Also fuhren wir langsam los, als der Regen gegen 10 Uhr aufhörte. Ich widerstand der Versuchung, alle paar Meter nach hinten zu schauen, ob im Reifen noch Luft war. Man würde es hören, wenn der Reifen platt ist.

Irgendwann zeigten sich die ersten Sonnenstrahlen und auch unsere Stimmung hellte sich mit jeden Meter, den wir vorwärts kamen, auf.

Zweimal konnten wir bei gestürzten Radfahrern Hilfe leisten. Ich fand es schön, auch mal jemandem helfen zu können, der das gerade benötigte. Wir haben so viel Hilfe bekommen auf dieser Reise – da war es schön, auch mal jemandem helfen zu können.

Am Nachmittag konnten wir unser Glück kaum fassen, dass wir es tatsächlich bis nach Passau geschafft hatten, obwohl das etwas mehr als 60 Kilometer waren.

An der Grenze Österreich/Deutschland trafen wir uns mit Hans und Angelika. Hans hatte einen Plattformanhänger ausgeliehen, auf den unser Gespann verladen werden sollte. Das funktionierte super. Anschließend fuhren wir zum Stadtteil Hals zur Triftsperre, wo wir alle über Nacht bleiben, bis es morgen nach dem Frühstück nach Hause geht.

Weil für Andreas und mich kein Zimmer mehr frei war und Hunde sowieso nur in Begleitung eines Menschen im Zimmer sein dürfen (was schwierig ist, da Hunde auch nicht in den Gastraum zum Beispiel beim Frühstück dürfen) mussten wir uns für diese Nacht aufteilen.

Eine Seitenklappe am Hänger mussten wir zumachen, damit wir beide Fahrzeugteile auf den Hänger bekamen. Also ist darin nur Platz für eine Person und Casper. So schlafen Casper und ich heute Nacht im Anhänger und Andreas vorne im Auto von Hans und Angelika.

Das Fazit dieser Reise:

Wir haben 2.980 Kilometer in den letzten sechseinhalb Wochen zurückgelegt. Zusammen mit dem Frankreichurlaub im Mai und Juni waren das mehr als 5.000 Kilometer und ein Viertel Jahr im Wohnwagen.

Wir haben unzählige hilfsbereite und freundliche Menschen getroffen und nur ganz, ganz wenige nicht so nette Menschen.

Die anderen Verkehrsteilnehmer waren in Ungarn, Rumänien und Kroatien am entspanntesten.

Es gab Höhen und Tiefen auf dieser Reise – wie im wirklichen Leben auch. Auch diese Reise passte wieder wunderbar zu unserem Eingangsspruch auf der Titelseite des Blogs:

Wahres Reisen heißt entdecken – die Welt und sich selbst!

Danke euch allen, dass ihr mitgereist seid, dass ihr mitgefiebert habt, uns aufgemuntert habt. Wir hoffen, dass wir mit unseren Berichten wieder ein bisschen dazu beigetragen haben, uns allen klar zu machen, dass die Welt da draußen nicht böse ist, sondern es auch ganz, ganz viele Menschen gibt, die wunderbar sind – so wie ihr auch!


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6 Kommentare zu “Rettung naht”

  1. Menschen & Maschine waren wohl am Ende ihrer Kräfte und da ist es sehr vernünftig aufzuhören! Großen Respekt vor der erbrachten Leistung. Euere Reiseberichte am Abend gehörten bei uns genau so zur täglichen Lektüre wie die Zeitung am Morgen.

  2. Es war mal wieder eine sehr schöne Reise, auf die ihr uns mitgenommen habt – vielen herzlichen Dank.
    Wir waren derweil auf Bergtour und wäre es nicht der letzte Tag mit nur noch Abstieg gewesen, an dem mich ein Magen/Darm-Infekt völlig ausgezehrt hat, hätten wir auch abbrechen müssen.
    Machmal kommt‘s halt‘s anders wie man sich‘s wünscht, aber die schönen Reise-Erlebnisse bleiben einem trotzdem in Erinnerung, und die Vorfreude auf‘s nächste Abenteuer fängt auch schon wieder an…😁

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