Motoren abgestürzt

Ich hatte mich bisher ja ein bisschen davor gescheut und auch davor gedrückt, die „Pipilotta“ zu benutzen. Aber weil es weder auf dem ÖAMTC-Gelände noch drumherum eine erreichbare „Toilette mit Sichtschutz“ gab, kam sie vergangene Nacht nun doch mal zur Anwendung. Es hat bestens funktioniert. Danke an dieser Stelle nochmal an Ulla für den super Tipp!

In der Nacht und am Morgen regnete es. Wir waren so froh, auf dem Parkdeck im Trockenen zu stehen.Wir konnten in aller Ruhe unsere Sachen einpacken und nachdem ich schnell mit Casper draußen auf der Straße war, damit er an einem Grünstreifen sein Geschäft erledigen konnte, lief ich mit ihm den restlichen „Spaziergang“ auf dem Parkdeck im Trockenen herum.

Der ÖAMTC-Stützpunkt hatte eine Kaffee-Ecke. Dort gab es verschiedene Getränke, Kuchen, Croissants etc. Dort frühstückten wir gemütlich. Wir hatten es nicht sehr eilig, auf die Straße zu kommen, denn es regnete noch. Zum Glück konnten wir unsere Akkus über Nacht laden. Aber weil es den Tag über weitgehend bewölkt bleiben würde, schauten wir schon mal, wo es die nächsten Lademöglichkeiten gab.

Als wir abfahrbereit waren und losfahren wollten, gab es den ersten Schreck schon nach 20 gefahrenen Metern! Ja, ihr habt richtig gelesen. 20 Meter und nicht Kilometer! Die Motoren gingen plötzlich einfach wieder aus. Und zwar alle! Andreas rief Olli an, der uns die Motoren eingebaut hatte. Olli sagte Andreas, was er versuchen könne, um die Motoren wieder zum Laufen zu bringen. Dass alle drei gleichzeitig ausgefallen waren, bedeutete für ihn, dass das Problem an der Stromversorgung liegen müsse, weil alle Motoren an den gleichen Batterien hängen.

Während Andreas an verschiedenen Knöpfen herumdrückte, stand ich daneben und versuchte, meine Aufregung im Zaum zu halten. Ich wollte nicht, dass meine Nervosität auf ihn übergeht. Aufregung nützt nichts und es passieren nur Fehler. So viel war mir klar. Also stand ich nur daneben und war ruhig.

Andreas klemmte alle drei Controller ab (stromlos). Dann steckte er sie nacheinander wieder an und schaltete sie auch nacheinander an. Und sie funktionierten wieder!!! Ich war so erleichtert. Um halb 11 Uhr konnten wir wirklich starten und Wien in Richtung St. Pölten verlassen.

Weil es mittags leicht regnete und obendrein auch recht frisch war, aßen wir heute im Wagen zu Mittag. Wir hatten vorher in einem Supermarkt etwas eingekauft. Leider fanden wir keine Lademöglichkeit für Fahrräder auf unserer Strecke. Die erste Möglichkeit gäbe es erst wieder in St. Pölten.

Unsere Strecke war aber nicht ganz flach und wir hatten Gegenwind, so dass die Akkus leider bald deutlich leerer waren. Von der Sonne kam auch kein Nachschub. Wir mussten fast 20 Kilometer mit extrem wenig Unterstützung fahren. Diese 20 Kilometer kosteten viel Kraft. Physisch und psychisch. Ich hatte Angst, dass wir St. Pölten heute gar nicht erreichen würden und vielleicht schlimmstenfalls irgendwo zwischen zwei Ortschaften am Straßenrand stehen bleiben müssten, bis morgen die Sonne wieder scheint. Die Fahrt nach St. Pölten dauerte ewig. Je leerer die Akkus werden, desto weniger Leistung bringen die Motoren..

Casper war den ganzen Tag sehr geduldig, aber irgendwann meldete er sich auch und ließ uns unmissverständlich wissen, dass er nun keine Lust mehr hatte.

Mit dem letzten Rest Energie aus dem Akku, rollten wir auf den Hof des ÖAMTC St. Pölten wo es kostenlose Lademöglichkeiten für Fahrräder gab, die noch dazu rund um die Uhr zugänglich wären. Als wir auf der App nach den Ladestationen schauten, waren wir sowieso sehr erfreut, dass die Ladestation beim ÖAMTC sein würde.

Wir rollten eine Stunde vor Geschäftsschluss auf den Hof. Die stellvertretende Leiterin des Stützpunktes war sofort begeistert von unserem „lustigen Gefährt“ und kam nach draußen, um es sich genauer anzuschauen. Ich fragte sie, ob wir hier über Nacht stehen bleiben könnten, denn unsere Akkus seien komplett leer. Es würde einige Stunden dauern, bis sie wieder geladen sind und dann sei es für eine Weiterfahrt zu spät. Sie war sofort einverstanden und sowieso insgesamt super freundlich.

Als ich sie fragte, ob wir kurz vor Feierabend noch die Toilette benutzen dürften und ob wir warmes Wasser zum Duschen haben könnten, fragte sie:“Wollt ihr duschen?“

Mein Gesichtsausdruck war wohl Antwort genug, denn sie sagte, ich solle meine Sachen nehmen und mitkommen…

Als wir beide frisch geduscht wieder draußen im Hof standen, fühlten wir uns gleich viel besser. Mit dem Schmutz und dem Schweiß fiel auch die Anspannung der letzten anstrengenden Kilometer von uns ab.

Wir waren sauber, hatten einen tollen Übernachtungsplatz mit Erlaubnis, morgen früh um 7 Uhr würde wieder eine richtige Toilette zugänglich sein, wir haben drei Steckdosen zur Verfügung und Stand heute Abend funktioniert alles. Was will man mehr?

Wir saßen zuerst noch eine Weile in dem leeren ÖAMTC-Hof auf unseren Campingstühlchen, es gab noch Spiel und Spaß für Casper und als es dunkel wurde, zogen wir uns in unseren heute frisch ausgesaugten Wohnwagen zurück. Herrlich!


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2 Kommentare zu “Motoren abgestürzt”

  1. Hallo ihr 3,
    ihr erlebt sehr viele Abenteuer und Herausforderungen auf dieser Tour und ihr bleibt dabei ziemlich entspannt, Chapeau👍. Für die restliche Heimfahrt wünschen wir euch nur das Beste!
    Liebe Grüße von der Nordseeküste
    Claudia, Jean und Manu🐾

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