2.000 km und spektakuläres Tages-Finale

Heute Morgen hörten wir ein Auto, wie es auf den Parkplatz fuhr und kurz darauf ertönte das Brummen des Aufsitz-Rasenmähers. Der Präsident des Fußballclubs mähte das Feld für das bevorstehende Freundschaftsspiel, das später stattfinden würde.

Als er eine Pause einlegte, rief er Andreas zu sich und drückte ihm zwei Becher Kaffee in die Hand. Der Tag fing also schon mal wunderbar an.

Ich hatte nachts allerdings nicht so besonders gut geschlafen, weil ich gelesen habe, dass es in Rumänien die giftigste Schlange Europas gibt – die Hornviper. Na toll. Und die bevorzugt auch gerne mal Bahndämme als Lebensraum. Da kam mir spontan die Eisenbahnlinie, die Steine und das Buschwerk direkt hinter uns ins Gedächtnis. Ich wollte die Wohnwagentür jedenfalls zu haben, was allerdings dazu beitrug, dass die Luft nicht so gut zirkulieren konnte wie mit der geöffneten Tür.

Nach dem Frühstück und dem Spaziergang mit Casper wollte ich noch ein bisschen Morgengymnastik machen. Auf einmal sah ich, wie Andreas auf den Boden stürzte. Er hat irgendwie das Gleichgewicht verloren und fiel hin. Dabei hat er sich den Ellenbogen aufgeschrammt. Meine beiden Schrammen sind endlich fast weg und nun ist Andreas verschrammt. Das Handgelenk hat er sich auch etwas verstaucht, aber er meint, es sei nicht so schlimm.

Unser Weg führte uns heute Richtung Arad und weil wir nicht durch die Stadt hindurchfahren wollten, fahren wir in einem Bogen drumherum. Das bedeutete aber, dass wir auf viel befahrenen Straßen unterwegs waren. Es gab in unserer Richtung keine kleinen Zufahrtstraßen. Nur eine vielbefahrene Straße und die Autobahn. Ich war wahnsinnig froh, dass wir hier nicht mit dem normalen Tandem fahren mussten. Ich hätte mir wahrscheinlich vor Angst in die Hosen gemacht.

Die letzten paar Kilometer gab es dann einen Radweg entlang der Straße und ich bat Andreas, den ausnahmsweise zu nehmen. Er sah auch nagelneu aus. Weil am Anfang des Radwegs Pfosten einbetoniert waren, die für unser Gefährt zu eng waren, mussten wir sie über den Grünstreifen umfahren. Aber dann waren wir auf dem Radweg drauf und ich nutzte ihn sogar noch für einen kleinen Spaziergang mit Casper.

Der Weg führte über den Fluss Mieresch. Kurz bevor der Radweg die Brücke nach oben ging, gab es wieder Pfosten. Die ersten Pfoten konnten wir wieder umfahren, aber die nächsten nicht mehr, weil Leitplanken im Weg waren. Um die Brücke zu nehmen, mussten wir also auf die Straße. Ich konnte es kaum erwarten, an unserem heutigen Ziel, Vladimirescu, anzukommen.

Andreas hatte schon über Googlemaps gesehen, dass es einen Fußballplatz gab. Als wir dort ankamen, war aber niemand dort, den wir fragen konnten, ob wir über Nacht bleiben können. Wir erfuhren von einem Nachbarn, dass die Spieler um 19 Uhr zum Training kommen würden. Wir beschlossen, in einem kleinen Park in der Ortsmitte zu warten und später nochmal zum Fußballfeld zu gehen.

Als wir in dem Park im Schatten saßen, kam auf einmal ein Mann zu uns. Ich schätze ihn auf ca. 40 Jahre. Er lobte unser Fahrzeug ganz überschwenglich, bot uns sofort an, kühle Getränke zu besorgen. Die holte er aber nicht bei sich zu Hause, sondern kaufte sie in einem nahe gelegenen Lädchen ein. Als wir ihm während des Gesprächs erzählten, dass wir beim Fußballfeld übernachten wollen, aber noch niemand da war, den wir fragen könnten, wollte er das telefonisch für uns klären. Er meinte, er kenne jemanden vom Fußballclub. Als er zurück kam, erklärte er, er habe niemanden erreicht, aber er wüsste einen super schönen, ruhigen Platz bei einem Wäldchen. Das wollte ich aber auf keinen Fall und ich erklärte ihm, wir würden hier in dem Städtchen bleiben.

Wie schon so viele andere Leute, ließ auch er sich unser Gespann zeigen. Er interessierte sich aber nicht wirklich für den Wohnwagen, sondern filmte die Zugmaschine. Und zwar verdächtig lange den Akku, die Vorderradmotoren und generell die Technik. Er fragte, ob wir Geld bräuchten und hielt uns ein Bündel Scheine hin. Was sollte das denn? Wir verneinten und ich wollte den Typen nur noch loswerden. Er sagte dann, er käme dann nachher zum Fußballplatz, um nach uns zu schauen, ob alles okay wäre. In mir schrillten alle Alarmlampen!!!

Ich ließ Andreas die Campingstühlchen in den Anhänger werfen und sagte ihm, dass wir sofort weiterfahren würden. Auf keinen Fall würde ich hier bleiben. Mag ja sein, dass der Typ nur ein Helfersyndrom hatte, aber die Abmachung ist, dass wir weiterfahren, wenn einer von uns ein schlechtes Gefühl hat. Und meins war mehr als schlecht!

Als wir aus dem Ort draußen waren, entdeckten wir plötzlich eine Schotterpiste, die ein Stück von der Straße weg zu landwirtschaftlichen Hallen führte. Weil dorthin auch gerade ein Auto abgebogen war, folgten wir diesem Weg und fragten die Leute, die gerade bei einer der Hallen aus dem Auto stiegen, ob wir neben einer der Hallen heute Nacht stehen dürfen.

Die Leute sprachen weder Deutsch noch Englisch, aber wir verständigten uns per Zeichensprache und Skizzen auf einem Notizblock. Das funktionierte und später kamen sogar noch Leute hinzu, die Englisch konnten.

Jetzt stehen wir neben einer Halle unter einem Nussbaum. Unser Gefährt ist von der Straße her nicht sichtbar und ich habe Kameras entdeckt. Außerdem habe ich mindestens fünf Hunde gezählt, die hier herumlaufen. Ich denke, dass wir hier gut übernachten können. Hier muss ich nur gut auf Casper aufpassen. Das haben mir die Leute auf jeden Fall gesagt. Die Hunde seien eigentlich nicht böse, sondern eher neugierig, aber es könnte ja auch mal eskalieren, wenn Casper als fremder Hund auf sie trifft.

Wir bekamen von den Leuten hier Wasser für unsere Dusche (Regenwasser) und eine Flasche gekühltes Trinkwasser. Wenn ich es richtig verstanden habe, wohnt hier niemand. Die Arbeiter stellen hier die Traktoren und sonstigen landwirtschaftlichen Maschinen ab, gehen nach Hause und kommen morgen früh um acht Uhr wieder zur Arbeit.

Morgen soll es hier nochmal 35 Grad Celsius geben. Den Tag müssen wir irgendwie noch überstehen. Dann wird es wohl ein bisschen kühler.


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1 Kommentare zu “2.000 km und spektakuläres Tages-Finale”

  1. Guten Morgen Ilona und Andreas,
    danke für eure spannende
    Reiseberichte. Wir wünschen euch für eure weitere Reise alles Gute und nur Begegnungen mit Menschen, die euch wohl gesonnen sind und euch ein gutes Gefühl geben.

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