Rumänien erreicht

Casper hat schon gestern Abend gemerkt, dass etwas anders ist als die vorherigen Tage. Wir packten nämlich schon mal die Sachen ein, die wir nicht mehr benötigten und die schon im Wagen verstaut werden konnten. Also achtete er darauf, sich direkt neben der Tür auf unsere Schuhe zu platzieren, damit er keinesfalls vergessen werden kann.

Nach dem Frühstück packten wir noch die restlichen Sachen ein und luden sie ins Fahrzeug. Ich hatte ein bisschen Zweifel, ob wir die steile Rampe aus der Tiefgarage hinaus überhaupt schaffen würden. Aber wir hatten Glück – es kam gerade ein Handwerker in die Tiefgarage, als wir rausfahren wollten. Der Handwerker und ich schoben sicherheitshalber am Hänger ein bisschen, wobei es wahrscheinlich auch ohne Schieben geklappt hätte.

Bevor wir starteten, konnten wir uns auch noch von dem super lieben Ehepaar aus Tansania verabschieden, das wir vorgestern im Hotel kennengelernt haben.

Dann ging es los. Der Start wurde auf den ersten paar hundert Metern von Caspers Gebell begleitet. Er muss sich nach der Pause wohl erst wieder an den Reise-Modus gewöhnen.

Die Grenze nach Rumänien erreichten wir nach 30 Kilometern. Auch hier war kein Grenzbeamter weit und breit. Der einzige Mensch, den wir im Bereich der Grenze sahen, war ein Motorradfahrer aus Südtirol, der uns ansprach.

Der Motorradfahrer will mit einer Reisegruppe in die Karpaten und die berühmtesten Straßen Rumäniens befahren. Mit dem Fahrrad diese Straßen zu befahren, würde uns zwar auch reizen, aber angesichts der Bären am Wegesrand sehen wir lieber davon ab. Außerdem kommen wir gar nicht so weit.

Was die Kilometer betrifft, sind wir ja eigentlich schon wieder auf dem Rückweg nach Hause. Am Samstag oder spätestens Sonntag erreichen wir den östlichsten Punkt der Tour.

Nach Grenzübertritt stellten wir zunächst fest, dass die Straße plötzlich deutlich besser war als die in Ungarn. Die Häuser sehen ähnlich aus. Aufgefallen ist uns, dass jede Menge gebaut wird – sowohl die Straßen und Wege in den Ortschaften als auch an den Häusern. Das Bild in den Ortschaften war lange nicht so trostlos wie das in Kroatien.

Das war ja aber nur mal der erste Eindruck. Wir sind auf die nächsten Tage gespannt.

Wir beschlossen, nicht zu lange zu warten, einen Übernachtungsplatz zu suchen, weil wir uns in dem neuen Land ja erst mal orientieren und schauen müssen, wo man stehen kann. Während ich mit Casper am Nachmittag einen Spaziergang machte, suchte Andreas einen Ort für die Übernachtung aus. Es gäbe dort nämlich sowohl einen Friedhof als auch einen Fußballplatz.

Wir steuerten zuerst den Fußballplatz an. Dort waren zum Glück auch schon ein paar junge Männer. Wir sprachen einen davon an, ob es okay wäre, wenn wir die Nacht über hier blieben. Einer der Männer, Adrian, sprach Englisch und meinte sofort, das sei kein Problem. Gleich im Eingangsbereich des „Stadions“ befindet sich auch ein Wasserhahn, den wir benutzen können und Andreas hat auch schon zwei Steckdosen entdeckt. Wenn da Strom drauf ist, werden wir morgen früh das Kaffeewasser dort mit dem Wasserkocher heiß machen. Das geht einfach schneller und bequemer als mit dem Spirituskocher.

Wenn wir Strom haben, machen wir morgens auch immer gleich eine zweite Portion Kaffee. Der wird in eine Thermoskanne gefüllt und am Nachmittag getrunken. Außerdem können wir dann gleich noch Tee kochen. Wenn wir keine Steckdose haben, schmeißen wir den Teebeutel notfalls auch einfach in kaltes Wasser. Das geht auch. Der Teebeutel muss dann einfach nur etwas länger drin bleiben.

Heute Abend sahen wir die ersten Straßenhunde. Auf der bisherigen Reise haben wir keine Hunde gesehen, die niemandem gehörten. Erst hier in Rumänien. Der erste Straßenhund war sehr groß und überquerte extrem langsam an einem Zebrastreifen die Straße, so dass wir sogar anhalten mussten.

Ein weiterer Hund bellte mich an, als ich einen „Lost place“ fotografieren wollte. Er hatte sich auf dem Gelände des verlassenen Hauses eine Kuhle gemacht, in der er lag. Ich hatte ihn wohl aufgeschreckt. Allerdings bellte er nur und ging nach einer Weile wieder. Es war ein hübscher Bursche. Aber sein Fell hing in Fetzen, wie das eines ungeschorenen Schafes.

Der dritte Straßenhund begegnete uns an unserem Übernachtungsplatz. Wir hatten uns schon eingerichtet als ich hinter mir ein Rascheln hörte. Und das war eindeutig zu laut, als dass es ein Vogel oder eine Eidechse hätte sein können. Andreas schaute nach und entdeckte einen Hund. Hinter unserem Schlafplatz verlaufen Schienen und der Hund lief bzw. humpelte auf ihnen herum. Auch er sah bedauernswert aus. Aber als er zu uns kommen wollte, schickten wir ihn weg (was mir im Herzen weh tat) und hinderten auch Casper daran, zu ihm zu gehen, was der natürlich sofort tun wollte. Wir hatten keine Angst, dass der Hund beißen könnte, sondern wir befürchteten eher, dass er Parasiten oder Krankheiten hat. Einen weiteren Tierarztbesuch während der Reise möchte ich lieber vermeiden.

Wir durften übrigens die Dusche im Sportheim benutzen und es gibt eine Fan-Toilette, die immer offen ist. Die wurde uns auch gezeigt. Außerdem haben wir die offizielle Erlaubnis bekommen, die Steckdosen zu benutzen. Klasse. Es gibt auf dem Gelände mehrere Kameras. Das ist auch toll. Ich fühle mich dann in der Nacht einfach sicherer. Ich glaube, das ist ein wunderbarer Platz. Genügend Leute haben uns gesehen und wir haben die ganz offizielle Erlaubnis, hier zu sein. Perfekt!


Alle Beiträge im Überblick von "Mittel- und Osteuropa 2026"

3 Kommentare zu “Rumänien erreicht”

  1. Hallo Ilona & Andreas, schön dass euere Tour hoffentlich gut erholt weiter geht und ihr weiterhin auf liebe und gastfreundliche Menschen trefft. Freue mich schon auf die Reiseberichte aus Rumänien. Rumänien ist noch ein „weißer Fleck“ auf unserer Reise Landkarte.

  2. Hallo,guten Abend.Endlich mal wieder was zu lesen.Wir wünschen euch für die Weiterfahrt alles alles Gute.Kommt wieder gesund nach Hause.
    Grüße aus Oberachern

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert