Im Sog des „Stallgeruchs“

Gestern Abend fühlten wir uns in Besancon immer unwohler, je später es wurde. Dazu kam, dass der Platz nicht leerer, sondern immer voller wurde. Es erschien unmöglich, hier zu duschen, ohne sehr viele Zuschauer zu haben. Und ungeduscht ins Bett zu liegen war absolut keine Option, so klebrig wie wir waren.

Auch Andreas fühlte sich an dem Platz nicht wohl. Und obwohl schon alles aufgebaut war, packten wir um 21 Uhr alles wieder zusammen und fuhren weg. Das Ziel war einfach: raus aus der Stadt und ins nächste Dorf auf der Strecke.

So gesellten sich zu den bereits gefahrenen 110 Kilometern noch 13 weitere.

Hinter dem Rathaus eines kleinen Dorfes gab es eine Art Innenhof, der schön geschützt lag. Hier war es super ruhig und zu duschen war auch kein Problem, zumal es sowieso schon dunkel wurde.

Die Familie, die neben dem Rathaus wohnt, bot uns Wasser an und brachte leckere kühle Pfefferminzgetränke – sogar mit Eiswürfeln drin. Casper durfte die beiden Beagles der Familie beschnuppern.

Heute Vormittag, nachdem wir schon ein ganzes Stück weit gekommen waren, gelüstete es uns nach einem Kaffee. Montags ist die Bäckerei in Clerval leider geschlossen, aber ich hatte in Baume-les-Dames schon etwas für die Pause eingekauft.

Bei der Pause hatten wir mal wieder einen kleinen AHA-Effekt. Die Kurzversion: Casper lief mit einem anderen Hund zu dessen Frauchen auf den Campingplatz zurück, der sich in der Nähe unseres Pausenplätzchens befand. Beide Hunde waren also ohne menschliche Begleitung dorthin unterwegs. Einige Leute, an denen die Hunde vorbeigelaufen waren, wiesen mich in die richtige Richtung. Und als der größere Hund beim Wohnwagen seines Frauchens angekommen war, konnte ich dort auch Casper abholen.

Als es mittags zu heiß wurde, weiter zu fahren, suchten wir uns ein schönes Schattenplätzchen unter den Bäumen eines Sportplatzes aus.

Auf den Boule-Plätzen nebenan war sogar richtig viel los – trotz Mittagshitze. Aber zumindest sind die Plätze auch mit großen Bäumen umsäumt. Sonst könnten es die Leute wohl nicht dort aushalten.

Einer der Boule-Spieler kam auf uns zu und drückte Andreas eine Flasche mit herrlich kaltem Wasser in die Hand. Es ist so schön, wie viele hilfsbereite und freundliche Menschen es gibt.

Während wir auf unseren Stühlchen im Schatten saßen, klingelte plötzlich Andreas‘ Telefon. Elisabeth und Dietmar waren gerade auf dem Weg von Beaulieu nach Hause und sagten, sie könnten in einer dreiviertel Stunde bei uns sein. Sie wären ganz in unserer Nähe. Jetzt war ich erst recht froh, heute beim Bäcker eine Aprikosentarte gekauft zu haben. Andreas kochte Kaffee mit dem Sturmkocher und kurz danach rollten auch schon das Auto und der Wohnwagen unserer Kaffeegäste heran. Die Freude über den spontanen Besuch war riesengroß.

Wir blieben noch bis kurz vor 17 Uhr im Schatten, aber dann zog es uns weiter. Nicht einmal das Herumsitzen und nichts tun macht mehr richtig Spaß. Denn so bald man auch nur einen Meter aus dem Schatten heraustritt, läuft sofort der Schweiß aus allen Poren. Jetzt wollen wir einfach nur noch heim, zumal für Donnerstag sogar 41 Grad Celsius angekündigt sind. Ohne das Solardach wären wir schon vor mindestens einer Woche irgendwo gestrandet, oder man hätte nur noch nachts fahren können. So kommen wir wenigstens immer noch vorwärts, wenn wir darauf achten, uns zwischendurch immer wieder ein bisschen abzukühlen.

Eigentlich hangeln wir uns nicht von Ort zu Ort, sondern von Friedhof zu Friedhof. Keine Gelegenheit, an Wasser zu kommen, lassen wir aus. Elisabeth und Dietmar haben uns nachmittags erzählt, dass sogar auf den Schildern der Autobahn angezeigt wurde, dass man genug trinken soll.

Wie so oft auf unseren Reisen, eskaliert die Streckenlänge am Schluss. Für morgen stehen noch knapp 150 Kilometer auf dem Plan. Das ist bei der Hitze trotz Dach und Motorunterstützung nicht ganz einfach, aber zu schaffen.

Damit wir heute Abend nach über 120 Kilometern nicht noch lange nach Wasser, Duschmöglichkeit etc. suchen mussten und eine gewisse Infrastruktur wahrscheinlich auch die Abfahrt morgen früh erleichtert, gingen wir für die letzte Nacht dieser Reise nochmal auf einen Campingplatz.

Leider stellte Andreas fest, dass der blaue Campingstecker nicht mehr da ist. Er befürchtet, ihn auf einem Campingplatz vergessen zu haben. Ich habe die Hoffnung, dass er zu Hause beim Auspacken doch noch auftaucht, aber für heute half uns das nicht weiter. Andreas fand auf dem Campingplatz aber eine Gruppe Männer, denen er verständlich machen konnte, was er braucht. Einer der Männer lieh ihm den Stecker und möchte ihn morgen früh zm 7 Uhr wieder haben. Das bekommen wir hin.

Jetzt ist kurz vor 22 Uhr. Andreas wühlt noch immer in irgendwelchen Werkzeugkisten herum. Ansonsten ist alles aufgebaut. Wir müssen nur noch duschen und dann geht’s ins Bett. Morgen kommt nochmal ein herausfordernder Tag.


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3 Kommentare zu “Im Sog des „Stallgeruchs“”

  1. C’est avec un grand plaisir que nous avons découvert votre carte et votre blog. Nous prenons connaissance de votre périple et sommes ravis d’y avoir participer à notre manière. Le sirop vous a plu, avec la canicule c’était normal.
    Si vous repassez dans le coin, vous serez les bienvenus.
    Nos amitiés
    La famille beagle😉

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