Kanäle mit Abstand

Die letzte Nacht war übel. Um 23 Uhr zeigte das Thermometer immer noch 27 Grad Celsius an. An Schlaf in der Roulotte war erstmal nicht zu denken. Irgendwann zerrten wir unsere Matratzen und Kissen nach draußen, um dort zu schlafen. Das funktionierte aber auch nicht richtig, weil Casper immer wieder Geräusche meldete.

Erstmals auf dieser Reise hatte ich einen Tiefpunkt und richtig Heimweh. Zu Hause hätten wir einfach bessere Möglichkeiten, mit der Hitze fertig zu werden.

Gestern Nacht also, zwischen Mitternacht und 1 Uhr morgens, zogen wir wieder in den Wagen um. So gab es für uns alle wenigstens noch fünf Stunden Schlaf.

Ziemlich gerädert saß ich morgens beim Frühstück. Hoffentlich wird die kommende Nacht besser. Eine wirkliche Entspannung temperaturmäßig ist ja noch nicht so schnell zu erwarten.

Heute wehte zumindest der Wind. Im Supermarkt kaufte ich eine kleine Sprühflasche, mit der ich für Verdunstungskühlung sorgte. Das half etwas.

So langsam kommen wir in Gegenden, die uns von früheren Reisen bekannt sind. Jetzt sind es auch nur noch 470 Kilometer bis nach Hause. „Früher“ hätten wir so was in zwei oder drei Tagen durchgezogen. Jetzt dauert es etwas länger, aber bis die fünfte Woche vorbei ist, wird unser Häuschen auch nicht mehr weit sein.

Bereits nach wenigen Tagen auf dieser Reise war klar, dass Fahrradwege nicht mehr für uns geeignet sind. Das macht aber nichts. Die vielen kleinen oder auch größeren Straßen waren bisher kein Problem. Die anderen Verkehrsteilnehmer sind sehr rücksichtsvoll – besonders die LKW-Fahrer.

Die Kanalradwege lassen wir also links liegen und kommen so prima voran.

Der heutige Übernachtungsort heißt Genelard. Es gibt einen kostenlosen Wohnmobilstellplatz. Eigentlich liegen aber nur Boote nebenan. Wir haben eine Wiese nur für uns. Mit vielen Bäumen, die uns den ganzen Nachmittag Schatten spendeten. Wir haben einen Picknicktisch direkt neben unserem Wagen und zu Fuß erreicht man Toiletten und Dusche in vier Minuten. Genial.

Im Dusch-Häuschen wohnen momentan auch einige Schwalbenfamilien.

Am Nachmittag gesellte sich unser „Nachbar“ auf eine Tasse Kaffee zu uns.

Er ist Niederländer und hat mit seinem Boot sieben Wochen gebraucht, um hierher zu kommen. Er bleibt für mehrere Wochen an dieser Anlegestelle und schippert dann wieder zurück. Auch für Boote kostet es hier nichts.

Auf der anderen Straßenseite ist eine Pizzeria, wo wir uns zwei Gerichte zum Mitnehmen bestellten. Ich habe meine Portion nicht ganz geschafft. Dick, so heißt der Niederländer, bewahrt den Rest in seinem Kühlschrank auf, bis wir morgen früh abfahren.

Die Sonne ist inzwischen untergegangen. Hier am Wasser ist es auch etwas kühler, so dass die Nacht bestimmt besser wird als die gestrige. Ich kann es fast nicht glauben, dass ich auf dieser Reise manchmal mit dem Anorak beim Frühstück saß. Es kommt mir so vor, als wäre das vor Ewigkeiten gewesen.


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2 Kommentare zu “Kanäle mit Abstand”

  1. Auch für uns scheinen die kalten Tage in der Normandie schon ewig zurück zu liegen und ehrlich gesagt mit dem Regen und der vermeintlichen Kälte sind wir auch besser fertig geworden. Momentan haben wir das Fahrradfahren eingestellt und widmen uns in den letzten Tagen hier dem erfrischenden Wasser des Lac de Bort. Haltet durch – bei den tollen Plätzen die ihr findet gibt es immerhin Schatten!

  2. Wir machen gerade auf der Hinfahrt nach NL zu unserer Tandemreise einen Zwischenstopp – dumm nur, dass ich ein zwar schönes, aber altehrwürdiges Hotel ausgesucht habe, im alten Gemäuer unterm Dach ohne Klimaanlage… 🥵.
    Das Zimmer war tropische Sauna pur als wir vorhin aufgeschlossen haben, jetzt hoffen wir auf etwas Abkühlung in der Nacht von draußen…

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