Um kurz nach 7 Uhr standen wir mit all unseren Sachen schon wieder vor dem Spielplatz. Es war ja ausgemacht, dass wir um 8 Uhr wieder draußen sein sollten, weil der Platz ab dieser Zeit für die Eltern mit ihren Kindern freigegeben war.
Ich ging mit Casper spazieren. Der Spaziergang führte uns auch an einer Schule vorbei. Es war eine gute Übung für Casper. Er bellt Kinder ja manchmal an. So konnten wir üben, an Kindern ganz locker vorbeizugehen. Er machte es auch wirklich gut.
Während Andreas und ich frühstückten, lag Casper nochmal ein bisschen im Wagen und döste Die Tür war auf, aber Andreas hatte eine „Kindersicherung“ improvisiert. Als eine komplette Schulklasse an unserem Wagen vorbeilief, war das nochmal eine Herausforderung für Casper, weil die Kinder ja auch ganz neugierig beim Vorbeigehen in den Wagen schauten und den niedlichen Hund ansahen. Von Kindern angeschaut zu werden, ist für Casper meist das Startsignal für Gebell. Zumindest wenn wir zu langsam sind und nicht agieren, sondern nur noch reagieren.
Andreas und ich hatten gestern Abend beschlossen, unsere Strecke etwas anzupassen. Eigentlich war geplant, Budapest zu umfahren. Nun würden wir doch durch die Stadt fahren. Andreas sah darin kein Problem. Er hat uns im Mai ja auch ganz gechillt mitten durch Paris geschippert. Schlimmer könne Budapest ja auch nicht sein. Er sah das jedenfalls ganz locker.

Also folgten wir der Straße Nummer 4, die parallel der M4 verlief und und direkt in die Stadt führen würde. Die Verbotsschilder, auf denen sowohl ein Fahrrad, ein Traktor und ein Pferdefuhrwerk abgebildet waren, ignorierten wir. Es traf ja keines der Bildchen auf uns zu. Komischerweise wurden wir kein einziges Mal angehupt – wohl aber auf dem Stück nach Budapest Richtung Györ, obwohl da gar kein Verbot für Fahrräder mehr war. Seltsam!


Aber der Reihe nach: Andreas schaukelte unser Gespann ganz cool durch die Stadt. Aber auf einmal gab es ein schreckliches Geräusch. Ich kann es gar nicht beschreiben, aber es war sofort klar, dass das Geräusch irgendwo von unserem Gespann kam.
Ich musste zuerst einmal dafür sorgen, dass kein nachfolgendes Fahrzeug in uns hineinrauschte. Denn wir befanden uns auf einer Straße mit jeweils drei Spuren in jede Richtung und es war richtig viel los. Es dauerte eine Weile, bis wir unser ganzes Gespann auf dem Gehweg nebenan hatten, der zum Glück breit war. Auch dass an der Stelle gerade der Bordstein angeschrägt war, war ein großes Glück.

Nachdem Andreas sich den Schaden angesehen hatte, meinte er, eine Schraube, die die untere Blattfeder mit dem Achsschenkel verbindet, sei abgebrochen. Er musste den Teil, der noch im Gewindegang steckte, herausdrehen und den anderen Teil fand er glücklicherweise auf der Straße wieder. Wobei die Suche nach der Schraube auf der dreispurigen Straße ja auch nicht gerade ungefährlich war…! Und es ist noch bemerkenswerter, dass Andreas die Schraube wiederfand, wenn man sieht, was da sowieso schon alles am Straßenrand liegt.

Die Schraube war also gefunden, aber natürlich unbrauchbar. Es musste eine neue Schraube her. Casper und ich blieben auf dem Gehweg, um unsere Sachen zu bewachen, während Andreas sich aufmachte, eine passende Schraube zu kaufen.
Andreas lief los zur nächsten Autowerkstatt, die zu Fuß nur 5 Minuten entfernt sein sollte. Da ahnte er noch nicht, dass das Unterfangen eine zweistündige Odyssee bedeuten würde. Aber auch das Warten war bei 33 Grad im Schatten nicht gerade angenehm.

Als Andreas irgendwann zurückkam, brauchte er nur fünf Minuten und wir konnten weiterfahren. Die Erleichterung war groß. Denn noch sind wir für eine „Rettungsaktion“ ja verdammt weit von zu Hause weg.

Als wir endlich aus der Stadt draußen waren, nahm der Verkehr zwar ab, aber die anderen Verkehrsteilnehmer waren deutlich unentspannter als in Budapest selbst. Das wunderte uns. Weder in Slowenien, noch in Rumänien oder bisher in Ungarn hatten wir Stress mit anderen Autofahrern. Heute wurden wir aber mehrmals angehupt und beschimpft, obwohl – wie gesagt – die Straße für uns nicht verboten war. Autofahrer wurden sogar expliziet darauf aufmerksam gemacht, dass man hier mit Radfahrern und sogar Fußgängern rechnen musste.
Nach 80 Kilometern reichte es uns und wir hielten die Augen nach einem Übernachtungsplatz auf. Ich sah auf der linken Seite mehrere große Hallen und davor waren Parkplätze. Ich ließ Andreas das Gebäude ansteuern. Zufällig kam auch gerade jemand aus dem Gebäude heraus, als wir uns näherten. Ich fragte den Mann, ob wir heute Nacht auf dem Parkplatz stehen düften.
Er wies uns zwei Parkplätze am Rand zu. Dort wäre auch die Kameraüberwachung, so dass der Platz sicher sei. Später fragte ich ihn, ob es möglich wäre, ein bisschen Wasser für unsere Dusche zu bekommen. Er nahm mich mit ins Gebäude und zeigte mir einen Wasserhahn. Außerdem stellte er mich zwei Männern vor, die etwa bis um Mitternacht hier sein würden. Falls wir noch etwas benötigten, könnten wir uns an einen der beiden wenden.

Den beiden fiel zum Glück sogar ein, dass es im Gebäude ja auch Duschen gibt. Die könnten wir gerne benutzen. Nur der Hund dürfe leider nicht ins Gebäude. Kein Problem. Einer von uns blieb bei Casper, während der Andere ins Gebäude ging, um zu duschen und eine Weile später wurde gewechselt. So einfach ist das.
Es ist herrlich, unter einer richtigen Dusche zu stehen. Auf so einer Reise, wie wir sie machen, wird zwar immer mal wieder ordentlich improvisiert, aber ich finde es wichtig, dass wir uns duschen können, dass die Klamotten regelmäßig gewechselt und gewaschen werden (notfalls auch von Hand) und dass der Wohnwagen zumindest innen einigermaßen sauber bleibt.

Theoretisch könnten wir in drei Tagen Wien erreichen. Dann muss aber alles richtig gut laufen. Wir wollen dort den ÖAMTC Wien-Schwechat ansteuern. Aber das Wetter muss mitspielen. Für die nächsten Tage ist nicht so viel Sonne vorausgesagt. Ich bin zwar froh, wenn die Hitze jetzt endlich mal aufhört, aber Sonne können wir ja trotzdem gebrauchen.
Jetzt schlafen wir erst einmal und dann schauen wir einfach, was der morgige Tag bringt. Für den Moment bin ich einfach nur sehr froh und dankbar, dass Andreas die Panne beheben konnte und wir nun frisch geduscht an einem sicheren Platz übernachten können.
Es regnet gerade ein bisschen, aber das ist nicht weiter schlimm. Heute Nacht darf es gerne regnen. Wir sind alle drei so müde, dass wir das Donnern draußen hoffentlich gar nicht hören.