Ich habe noch meine wohl klingenden Worte von gestern Abend im Ohr. 2.200 Kilometer und noch nicht mal einen Platten. Was haben wir uns darüber gefreut. Das ist gut, denn diese Freude hatten wir immerhin schon mal. Wenn man jeden Tag Angst hat, dass etwas sein könnte, dann kann man den Tag ja gar nicht genießen und verpasst die vielen schönen Dinge. Wenn dann was kommt, das nicht gut ist, kann man sich ja immer noch Sorgen machen. So hat es mein Vater zumindest immer gesagt.
Angefangen hat es gestern Abend. Ich bekam Bauchschmerzen, die in viel stärkerer Form im letzten Herbst in einer Not-OP endeten. Als ich gestern Abend Bauchschmerzen bekam – viel, viel schwächer als im letzten Jahr – hatte ich trotzdem Angst, dass es in der Nacht stärker werden könnte. Wir haben sogar vorsorglich schon mal gegoogelt, wo das nächste Krankenhaus ist. Letztes Jahr hatte ich verdammt großes Glück bei der Sache. Ob das ein zweites Mal so gut ausgehen würde, bezweifelte ich. Zum Glück wurden die Schmerzen in der Nacht aber immer schwächer und verschwanden ganz. Wir waren beide sehr erleichtert.
Heute Morgen kam eine Frau und sagte uns, dass hier Camping nicht erlaubt sei. Wir sagten ihr, dass wir gestern gefragt hatten, ob wir hier über Nacht stehen dürfen und es uns erlaubt wurde. Sie war zwar nicht unfreundlich, wiederholte aber „No Camping!“ Englisch konnte sie nicht. Wir packten zusammen und stellten unser Fahrzeug einfach ein paar Meter weiter, blieben aber auf dem Gelände der Tankstelle. Wir holten uns dort Brötchen und zwei Kaffee. Somit waren wir Kunden und konnten das was wir gekauft hatten, draußen an den Bistrotischen essen, während unsere Akkus von der Sonne geladen wurden. Das war für die Frau dann wohl auch in Ordnung. Jedenfalls kam sie nicht wieder.
Bis zur Mittagspause lief auch alles gut. Wir kamen gut voran, mussten aber einen Radweg benutzen, weil alle paar Meter ein Verbotsschild für Fahrräder und Pferdefuhrwerke kam. Na gut, dann eben auf den Radweg. Der war aber furchtbar schlecht, zu schmal und auch bewachsen. Außerdem kamen im Bereich eines Bahnübergangs jede Menge Gitter. Da war für uns kein Durchkommen.
Andreas ist ja einer der geduldigsten Menschen, die ich kenne. Aber da verlor sogar er mal kurz die Beherrschung und sagte „Mist, dass ich vorhin schon pinkeln war. Sonst hätte ich da jetzt dagegen gepinkelt!“ Wir stellten fest, dass sich die Absperrung seitlich am Radweg ein bisschen bewegte, wenn man daran rüttlte. Wir rüttelten so lange hin und her, bis man eines der Geländer herausnehmen konnte. Ein Mann auf der anderern Straßenseite rief uns etwas zu. Wir verstanden nicht was er sagte, wohl aber, dass er nicht einverstanden war mit dem was wir da taten. Das Gitter löste sich, wir hoben es heraus, Andreas fuhr unser Fahrzeug hindurch und wir stellten es wieder zurück. Es wackelt jetzt ein bisschen, wenn man sich dagegen lehnt, aber ansonsten sieht es aus wie vorher.
In der Mittagspause machte uns ein Passant darauf aufmerksam, dass wir einen Platten hätten, bzw. sogar zwei! Einen am Anhänger und einen an der Zugmaschine. Es steckten mehrere Dornen in den Mänteln. Wir entfernten sie alle – zumindest fanden wir keine weiteren und Andreas wechselte vorne an der Zugmaschine sogar auf beiden Seiten noch die Mäntel. Die waren nämlich schon ein bisschen abgefahren.

Bei der Aktion, die Platten zu beheben, mussten wir alle Ersatzschläuche benutzen, aber am Nachmittag merkten wir erneut, dass wir mehrere Platten hatten. Und zwar drei Stück am Anhänger.
Weil wir zufällig gerade bei der Autobanmeisterei standen, fragten wir dort, ob wir auf ihrem Parkplatz unser Fahrzeug wieder flott machen könnten. Es könne aber sein, dass wir erst morgen früh wieder weiterfahren könnten. Der Mann, mit dem ich sprach, war super freundlich und meinte, das sei kein Problem. Er würde auch seinem Chef und den Kollegen, die abends kämen, Bescheid geben. Außerdem rief er für uns in einem Fahrradgeschäft an und fragte, ob sie passende Schläuche für uns hätten. Sie hatten vier Stück da und er ließ sie für uns auf die Seite legen.
Wir ließen den Anhänger auf dem Parkplatz und fuhren mit der Zugmaschine in die nächste Stadt zu dem Laden. Das waren acht Kilometer, einfache Strecke. Als wir uns gerade auf den Rückweg machen wollten, bemerkten wir wieder zwei Platten. Wieder steckten Dornen im Mantel. Andreas pumpte auf dem acht Kilometer langen Rückweg die beiden Reifen viermal wieder auf.

Zurück auf dem Parkplatz machte er sich daran, die beiden Platten der Zugmaschine zu beheben. In einem der Schläuche waren drei Löcher!!!

Der freundliche Mann der Autobahn-Meisterei brachte uns zwei Flaschen Wasser und außerdem einen Eimer voll Wasser, damit wir die Löcher in den Schläuchen besser suchen konnten. Er sagte, wir könnten auch gerne die Toilette benutzen. Ich werde nachher auf jeden Fall auch noch nach ein bisschen Wasser für unsere Dusche fragen.
Andreas kümmerte sich um unser Fahrzeug, während ich jede Menge kleiner Kügelchen mit Widerhaken aus Caspers Fell zog.

Als Andreas mit den Reifen der Zugmaschine fertig war, wurde es dunkel. Die drei Platten am Anhänger muss er sich morgen früh vornehmen.
Lieber Cornelius, auch wenn du sagst, Platten zählen bei Radfahrern gar nicht als Panne, dann finde ich 7 Platten an einem einzigen Tag doch erwähnenswert!

Das Gute an der ganzen Aktion ist, dass wir einen ganz tollen Übernachtungsplatz haben. Die Autobahnausfahrt ist zwar direkt nebenan, aber der Platz hier ist auf jeden Fall mega sicher. So wie beim ÖAMTC. Und super sauber ist es auch. Es leuchten überall Lampen und es gibt Kameras an jeder Ecke.

Leider hat Andreas gerade festgestellt, dass einer der „reparierten“ Reifen schon wieder platt ist. Jetzt ist es aber viel zu dunkel, noch etwas zu machen. Wir hoffen, dass zumindest der andere Reifen morgen früh noch Luft hat…
Liebe Ilona,
Eigentlich bin ich weder Blogschreiber noch großer Kommentator. Aber wenn ich gleich in zwei Blogs hintereinander namentlich erwähnt wurde…
Sieben Platten sind mindestens sechs zu viel ;-). Mein damaliger Kommentar bezog sich auf eure Frankreich-Runde. Ich fand es absolut bewundernswert, dass ihr da bis fast zum Schluss keinerlei Probleme mit eurem großteils Eigenbau-Gespann hattet – bis eben auf ein paar Platten. Und selbst die gebrochene Deichsel am Ende Tour wurde schnell wieder instand gesetzt. Vor Andreas Handwerkskunst beim Bau (und Instandhaltung) des Hängers und beim „Ausbau“ der Zugmaschine habe ich aller größten Respekt. Bekanntlich haben Gefährte wie unser Triketandem, das eher „von der Stange“ kommt, da deutlich mehr Probleme ;-)…
Und natürlich lesen wir mit Wonne eure Berichte – und sind gespannt auf die nächsten – hoffentlich ohne Platten und andere Unannehmlichkeiten. Es reicht, wenn ihr anfangs der Reise für Caspar einen Tierarzt aufsuchen musstet.
Dass ihr auf den Reisen immer auf die Freundlichkeit und Begeisterung eurer Mitmenschen stoßt, liegt nicht nur an eurem – für die meisten doch recht „wundersamen“ Gespann – es liegt an eurer eigenen Herzlichkeit.
Liebe Grüße aus Stuttgart Renate + Cornelius
Liebe Ilona, lieber Andreas,
als ich den Bericht eben las, wollte ich unbedingt einen Gruß und gute Wünsche für euch in den Kommentar schreiben.
Nun las ich am Schluss auch den Kommentar von Cornelius und ehrlich, schöner kann man es nicht schreiben. Es gibt nichts, was noch zu ergänzen wäre. Habt hoffentlich einen guten Start in den neuen Tag!
Liebe Umarmung, Susann und Sönke
Hallo Andreas,hallo Ilona,
Andreas du könntest als Nachname Pech und als Nachname Viel heißen.
Mein Record liegt bei 3mal an einem Tag.
Trotz allem wünschen wir für eure Weiterfahrt viel Glück und kommt gesund und munter zurück
Grüße aus Oberachern
Im Moment in Traben-Trabach an der Mosel.🍀🫶👌👍