Geschlafen haben wir alle drei in der vergangenen Nacht wenig. Das lag aber nicht daran, dass wir uns nicht sicher gefühlt hätten, sondern daran, dass eigentlich permanent mehrere Hunde gebellt haben. Wenn das Bellen näher an unseren Wagen herankam, dann stieg Casper auch mit ein. Er beruhigte sich zwar immer sehr schnell, aber es waren jedes Mal alle wieder wach.
Andreas stieg heute Morgen als Erster aus dem Wagen. Er stellte fest, dass etwas fehlte. Nicht etwa am Fahrzeug – der Platz war richtig gut und sicher. Aber es fehlte ein „Badeschlappen“. Den hat wohl in der Nacht einer der Hunde stibitzt. Wir bekamen ihn aber sogar wieder, denn einer der Farmer hatte morgens einen der Hunde damit gesehen und der Hund musste ihn wieder rausrücken.

Wir waren wahnsinnig froh, dass wir gestern die Entscheidung getroffen hatten, an diesen Platz zu fahren.

Nach und nach trudelten die Arbeiter ein. Einer der Männer lud aus seinem Auto einen Korb aus und brachte ihn zu uns. Darin befand sich eine Karaffe gekochten, heißen Kaffees. Seine Frau hatte die Karaffe sogar extra mit Alufolie umwickelt, damit der Kaffee schön heiß blieb. Außerdem befanden sich Tomaten und Gurken aus seinem Garten, sowie zwei Flaschen Wasser darin. Wir freuten uns riesig und er freute sich, dass wir uns freuten. Zum Abschied gab es sogar für jeden von uns eine Umarmung und es fühlte sich richtig an.

Wir sind jetzt seit fast fünf Wochen unterwegs und praktisch jeden Tag kamen Menschen zu uns, die uns in irgendeiner Weise etwas Gutes zuteil werden ließen. Entweder bekamen wir etwas zu essen oder zu trinken, die Erlaubnis irgendwo zu stehen, die Toilette, Dusche, oder Waschmaschine zu benutzen… Aber nie hatte es ein so negatives Gefühl ausgelöst, wie bei dem Typen gestern Abend. Der hat aber nicht unbedingt etwas mit Rumänien zu tun. Den hätte man in jedem anderen Land auch treffen können.
In der Mittagspause sollte es heute mal eine heiße Mahlzeit geben. Wir hatten ja noch die Kartoffeln, die wir in Öttömös geschenkt bekommen haben. Die kochten wir und dazu gab es weiße Bohnen aus der Dose mit Tomatensoße.

Als Beilage zauberten wir aus einem Teil der Tomaten und Gurken, die wir heute Morgen bekommen hatten und dem Kürbiskernöl aus der Steiermark einen leckeren Salat.


Nach dem Mittagessen sah ich, dass mehrere Leute mit Wasserflaschen Wasser an einer Art Automaten holten. Ich ging auch mit einem Kanister hin, denn man hatte uns gesagt, dass man nur an den offiziellen Wasserstellen Trinkwasser holen sollte. Ich stellte aber fest, dass man für den Automaten rumänisches Geld brauchte. Das hatten wir nicht. Im Supermarkt kann man ja jeden noch so kleinen Betrag mit der Karte zahlen. Ich zog also mit dem Kanister wieder ab. Ich kam aber nicht weit. Ich wurde zurückgerufen. Ein älterer Mann hatte mich beobachtet, bedeutete mir, ich solle den Kanister wieder unter den Wasserauslass stellen und er steckte einen Geldschein in den Automaten. Als nach zwei Litern das Geld aufgebraucht war, wollte ich den Kanister wieder zu mir nehmen, aber der Mann hielt mich davon ab und steckte nochmal einen Geldschein in den Automaten, bis ich vier Liter Wasser hatte.

Als ich mich bei dem Mann bedankt und verabschiedet hatte, kam ein anderer Mann, der etwa in meinem Alter war, hinzu. Er erzählte, er und seine Frau seien 24-Stunden-Pflegekräfte in Deutschland. Sie arbeiten immer einen Monat und haben den nächsten Monat frei. So arbeiten sie über das Jahr sechs Monate und haben sechs Monate „Urlaub“. Er schilderte, dass er und seine Frau versuchen, möglichst nah beieinander und möglichst zur gleichen Zeit eine Stelle zu bekommen, damit nicht einer von beiden in Düsseldorf und der andere in Freiburg ist. Auch in Kroatien habe ich eine Frau getroffen, die als Pflegekraft in Deutschland arbeitet.

Während ich mich noch mit dem Mann unterhielt, tauchten auf einmal fünf Jungen im Alter von 10 bis 12 Jahren auf. Der Mann meinte, auf die sollten wir aufpassen. Er käme mit zu unserem Wagen, denn es ginge ganz schnell, dass die Jungs etwas klauen würden, wenn man nicht richtig aufpasse. Er riet uns auch, immer irgendwo zu übernachten, wo es nicht zu dunkel wäre, sondern sich eine Lampe befindet, z.B. Parkplätze von Supermärkten. Und wir sollten lieber im Dorf und nicht außerhalb stehen. So viel zu dem tollen Vorschlag von dem Typen gestern, er wisse einen „schönen“ Platz bei einem Wäldchen…

Nach diesen Warnungen verspürten wir keine große Lust mehr, noch länger an dem Platz zu bleiben, zumal es schwierig war, alle Jungs gleichzeitig im Auge zu behalten. Wir packten zusammen und fuhren weiter.

Da wir den östlichsten Teil unserer Reise bereits morgens erreicht hatten, waren wir sowieso schon wieder auf dem Weg Richtung Grenze, über die wir am Spätnachmittag fuhren.

Wir sind zurück in Ungarn. Als es Zeit wurde, einen Übernachtungsplatz zu suchen, entdeckten wir nach 100 Kilometern (30 km mit starkem Wind) einen Wegweiser zu einem LKW-Parkplatz. Da dieser auf unserer Strecke lag, fuhren wir hin. Auf dem riesigen Platz befand sich kein einziger LKW. Wir hatten freie Platzwahl. Die Parkplatzbetreiberin verlangte insgesamt 5 Euro – die Dusche ist inklusive.
Weil wir heute starken Gegenwind hatten, sind die Akkus jetzt ziemlich leer. Wir werden uns morgen früh ordentlich Zeit lassen, wieder loszufahren. Zuerst muss die Sonne unsere Akkus betanken.

In Rumänien waren wir ja nur sehr kurz. Es ist ein riesiges Land, von dem wir nur einen winzigen Teil gesehen haben. Aufgefallen sind uns einige riesige, prunkvolle Häuser – die aber teilweise nie fertiggestellt wurden und die sich die Natur schon wieder zurückerobert. Und dann gab es wieder jede Menge kleine Häuser in sehr schlechtem Zustand. Die Gartenzäune standen sehr windschief da und man meinte, sue würden jeden Moment umfallen. Diese Bild hatten wir aber auch in Kroatien und in Ungarn.

Es gab in Rumänien sehr viel Müll am Wegesrand. Und da rede ich nicht von aus dem Auto geschmissenen Zigarettenschachteln oder Plastikflaschen, sondern von säckeweise weggeworfenen Dingen aller Art bis hin zu toten Hunden. Andreas hat sogar heute auf der Fahrt einen Mann beobachtet, wie er einen Sack in den Graben am Wegesrand schmiss.

Trotzdem haben wir auch in Rumänien viele herzliche, freundliche und hilfsbereite Menschen getroffen, wie auch in allen anderen Ländern, die wir bisher bereist haben. Wir bleiben dabei – die allermeisten Menschen sind freundlich!

Hallo ihr zwei, es ist immer schön von euch zu lesen. Bleibt weiterhin gesund und kommt gut und behütet voran. Viele Grüße Reiner und Marion