Die andere Seite Kroatiens

Bereits um 7 Uhr morgens öffnete die Sport-Bar neben dem Fußballplatz. Das war gut für uns, denn wir konnten mit dem Wasserkocher hineingehen und fragen, ob wir ihn an eine Steckdose schließen dürfen.

Bevor wir das kleine Städtchen verließen, kauften wir für Andreas eine neue Kappe. Seine „alte“ Kap wurde ihm auf der Reise schon mehrmals vom Kopf geweht, aber jedes Mal konnte ich sie auffangen.

Vorgestern, als sie wieder weggeweht wurde, fing ich sie leider nicht und der Verkehr war so stark, dass wir nicht wegen der Kappe anhalten konnten. Da sie sich sowieso immer mehr in ihre Bestandteile auflöste, beschlossen wir, sie zu opfern und Andreas eine neue Kappe zu kaufen.

Auf der Straße begegnete uns heute ein seltsames Ernte-Gerät. Wir vermuten, dass es zur Tabak-Ernte benutzt wird. Wir sahen nämlich neben Mais- und Sonnenblumenfeldern auch viele Tabakpflanzen.

Außerdem entdeckten wir ein Schild „Paprika-Straße“. Paprika wurde am Wegesrand in sehr großen Gebinden verkauft.

Auch heute kamen wir durch viele Dörfer, in denen sehr viele Häuser leer standen. Manchmal war mehr als die Hälfte der Häuser unbewohnt oder in einem schrecklichen Zustand.

In eines dieser Häuser schaute ich hinein. Es sah so aus, als ob die Besitzer einfach aufgestanden und gegangen wären und nie wieder zurück kamen.

Abends kam ein junger Mann mit seiner Tochter zu uns. Als er von der Arbeit kam, sah er unseren Wagen neben dem Schulgebäude (in dem insgesamt 20 Kinder von 2 Lehrern unterrichtet werden), brachte uns Getränke und redete mit uns.

Er erzählte uns, dass so viele Häuser leer stünden, weil die Leute entweder nach Zagreb, ans Meer (wo es andere Arbeit als in der Landwirtschaft gibt) oder nach Deutschland gezogen sind.

Er schilderte uns, dass niemand, der nach Deutschland gezogen ist, jemals wieder zurück nach Kroatien kam. Zumindest nicht vor der Rente.

Ich fand die Fahrt heute durch diese verwaisten Dörfer mit den kaputten Häusern ziemlich deprimierend. Was wir hier sehen – das sind mit Sicherheit nicht die Bilder, die man normalerweise als Kroatien-Strand-Urlauber im Kopf hat.

Ein sehr schönes Erlebnis hatte ich heute in einem kleinen Supermarkt: ich ließ an der Kasse einen Mann vor, der nur einen Artikel in der Hand hielt. Er gab mir zu verstehen, dass ich ja auch nicht viel hätte. Er bedankte sich, stand vor mich in die Schlange und als er an der Reihe war, nahm er noch etwas von den Süßigkeiten dazu, die direkt bei der Kasse ausliegen. Als er bezahlt hatte, bedankte er sich nochmal bei mir und drückte mir die Süßigkeit in die Hand. So lieb!

Auf dem nächsten Bild sieht man, wo wir gerade sind (blauer Punkt). Wir fahren an der kroatisch-ungarischen Grenze entlang, bis wir – vermutlich übermorgen – nach Ungarn kommen. Serbien haben wir auf der Reise ausgeklammert.


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2 Kommentare zu “Die andere Seite Kroatiens”

  1. hallo ihr drei,
    ich freu mich für euch,dass alles so gut läuft und ihr soviele schöne begegnungen habt.wie sind denn die temperaturen?bei uns hat es ziemlich abgekühlt,
    liebe grüße und weiterhin gute fahrt

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