Sehr kontrastreich

Nach dem Spaziergang mit Casper lief ich vom Friedhof aus ins Dorf, um einen Mülleimer zu suchen. Auf dem Weg dorthin traf ich eine Frau, die gerade im Hof ihres Hauses war. Sie begrüßte mich auf Kroatisch und ich sagte ihr, dass ich leider kein Kroatisch spreche. Also sprach sie auf Deutsch weiter. Sie hatte viele Jahre in Österreich gelebt und erzählte mir ganz viel über sich. Irgendwann wurde ich unruhig, weil ich ja wusste, dass Andeas auf mich wartet. Er würde sich so langsam wundern, wie lange man denn brauchen kann, eine Mülltüte in einen Mülleimer zu tun. Ich sagte ihr, dass ich mal langsam zu meinem Mann zurück gehen würde, der auf mich warte. Darauf meinte sie, ich solle ihn holen gehen und sie würde so lange eine Jause für uns vorbereiten.

Wir bekamen aber nicht nur eine Jause, sondern sie packte noch eine ganze Kiste Lebensmittel für uns ein. Das waren mehrere Gläser mit eingemachtem Gemüse, Kräuterlikör, süße Waffelschnitten, Birnen und Schokolade.

Die Frau – Maria – gab mir auch noch ihre Telefonnummer. Sie meinte, sie hätte einflussreiche Kontakte. Wenn etwas wäre – also wenn wir ein Problem hätten – sollen wir uns bei ihr melden. Sie würde uns dann helfen.

Maria kam dann auch noch mit uns zum Friedhof, um unseren Wohnwagen anzuschauen. Das wollte sie sich nicht entgehen lassen.

Nach der Abfahrt führte uns unser Track durch einige kleine Dörfer. Wir waren überrascht, wie unterschiedlich der Zustand der Häuser war. Da gab es Häuser, die man bei uns als sehr luxuriös und fast prunkvoll bezeichnen würde. Direkt daneben standen dann aber auch wieder Häuser, durch die einmal diagonal ein Riss verlief und man dachte, dass das Haus jeden Moment auseinanderbrechen würde. Bei Häusern, die in so desolatem Zustand waren, dass sie unbewohnt schienen, sah man dann im Innenhof aber Wäsche auf der Wäscheleine.

Hier sind ein paar Beispiele:

Unsere Mittagspause verbrachten wir nach 50 Kilometern bei einer Kirche. Angrenzend war auch der Friedhof und es gab einen überdachten Platz mit Sitzbänkchen und einer Steckdose.

Zuerst aßen wir etwas.

Aber wir nutzten die Mittagspause nicht nur für unsere kulinarische Versorgung, sondern sie war auch dazu da, die Haare zu waschen, Wäsche zu waschen und verschiedene Geräte an der Steckdose, die wir gefunden hatten, zu laden.

Außerdem bearbeitete Andreas auch Caspers Hundebox. Der Kleine sitzt mittlerweile so lieb in seiner Box, obwohl das Törchen geöffnet ist, dass wir die Gitter komplett entfernten.

Casper ist ja sowieo am Geschirr gesichert. Er kann also weder nach draußen fallen noch nach draußen hüpfen.

Als wir auf unserer Fahrt an ein paar Häusern vorbei fuhren, lief ein Mann plötzlich aus einem Hof heraus an den Straßenrand und bedeutete uns, anzuhalten. In der Hand hielt er eine Papiertüte. Als wir unser Fahrzeug zum Stehen gebracht hatten, überreichte er uns die Tüte, in der sich riesige Zwetschgen befanden. Weil er kein Deutsch sprach, erklärte er uns mit Zeichensprache, dass er uns vorhin mit seinem Auto überholt habe.

Ihm war wohl klar, dass wir an seinem Haus vorbei kommen müssten. Deshalb passte er uns ab, um uns die Zwetschgen zu schenken.

Wir haben uns sehr darüber gefreut, zumal die Früchte gut vom Stein gehen und schön süß sind. Herrlich!

Am Nachmittag hörten wir an unserer Zugmaschine ein Geräusch, das vorher nicht da war. Andreas lenkte unser Gespann bei der nächsten Gelegenheit auf einen Parkplatz, bockte die Zugmaschine auf und sprühte WD40 an verschiedene Stellen. Das half. Als wir weiterfuhren war das Geräusch weg.

Nach knapp 90 Kilometern beendeten wir unsere Etappe für heute in Pitomaca. Wir fragten bei einer Schule jemanden nach dem Weg zum Friedhof und stellten fest, dass der Parkplatz vom Fußballpclub auch nicht schlecht wäre.

Andreas fragte in der Sports-Bar, ob wir auf dem Parkplatz über Nacht bleiben könnten und bekam zur Antwort: „Kein Problem“. Wir erhielten von dort auch Dusch-Wasser und das WLAN-Passwort.

Es herrscht reger Verkehr hier auf dem Parkplatz. Wir haben Glück, dass wir noch einen guten Platz ergattert haben. Ich bin mal gespannt, wie ruhig die Nacht wird. Denn hier sind wir nicht in einem Dörfchen, sondern eher in etwas, das ich „Kleinstadt“ nennen würde.


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