Andreas stellte unser Fahrzeug heute Morgen ziemlich bald an einen anderen Platz, weil es dort besser in der Sonne stand. Es würde mehrere Stunden dauern, bis die Akkus wieder voll wären. Also konnten wir es heute Morgen sehr ruhig angehen lassen.
Während unsere Akkus „betankt“ wurden, machte ich zuerst einen schönen langen Spaziergang mit Casper. Wir mussten zuerst ein kleines Stück an einer Straße entlang, auf der aber nicht viel los war. Dann bogen wir in einen super Feldweg ab, auf dem wir die ganze Zeit alleine unterwegs waren.
Als wir zurück waren, hatte Andreas schon das Frühstück vorbereitet. Casper rührte sein Frühstück nicht an. Er war zu sehr damit beschäftigt, auf die Stelle zu starren, bei der ab und zu eines der drei kleinen Kätzchen um die Ecke lugte.
Es war schon nach 11 Uhr, als die Akkus so weit geladen waren, dass Andreas „grünes Licht“ für die Abfahrt gab.

Wir kamen heute oft nur langsam voran. Das lag aber nicht am Gegenwind, sondern an den holprigen Straßen. Diese waren teilweise mit sehr vielen Schlaglöchern und Absenkungen in der Fahrbahn versehen. Auch waren manche Straßen eher Flickenteppiche. Zwischendurch kam aber auch mal wieder ein Stück mit richtig tollem, glatten Asphalt. Es war sehr wechselhaft.
Für die Mittagspause suchten wir uns wieder einen kleinen Park aus. Wir hatten von der Straße aus nämlich eine Sitzgruppe unter ein paar Bäumen entdeckt. Weil wir noch drei Kartoffeln sowie Tomaten und Gurken für einen Salat übrig hatten, wollten wir nochmal „kochen“.

Zuerst holten wir uns aber in einer Bar nebenan zwei Fläschchen Cola. Weil die Kartoffeln ja eine Weile brauchen würden, bestand unsere „Vorspeise“ aus Kinderschokolade und Cola.
Als ich die Getränke in der Bar holte, sprachen mich die beiden Frauen, die darin arbeiteten, an. Sie hatten unser Fahrzeug schon gesehen, als wir den Sitzplatz ansteuerten. Ich erklärte, woher wir kommen und wohin die Reise noch geht. Für die Übersetzung benutzte die jüngere der beiden Frauen ihr Handy, weil sie kein Englisch sprachen und wir ja leider kein Ungarisch.
Es dauerte nicht lange, dann kamen auch zwei Männer zu uns. Die Unterhaltung bestand hauptsächlich aus einzelnen Wörtern und Zeichensprache. Erst etwas später kam eine Frau hinzu, die Englisch und sogar ein deutsches Lied konnte, das wir zusammen sangen („Laurenzia, liebe Laurenzia mein…“).
Einer der beiden Männer nahm unsere beiden Wasserkanister mit und brachte sie gefüllt wieder zurück. Und der andere kam plötzich nochmal mit zwei Fläschchen Cola zu uns. Die Leute waren alle total lieb zu uns und bevor wir abfuhren, wurden mit allen Handys noch Fotos gemacht.

Zum Abschied standen fünf oder sechs Leute da und winkten uns zu.
Übrigens hat uns einer der Männer gefragt, ob wir „Zigeuner“ sind. Ich hab ihm erklärt, dass wir zu Hause ein Haus haben. Dietmar hat das Wort „Edel-Homberle“ ja mal mit „Clochard superieur“ ins Französische übersetzt. Aber wie man das jetzt auf Ungarisch erklärt, habe ich keine Ahnung.

A propos: am Wegesrand entdeckte ich heute ein paar Zwiebeln. Die werden unseren nächsten Salat verfeinern. Wenn ich schöne Steine oder Äste sehe, darf ich die ja nicht einsammeln. Da hat mir Andreas ein „Sammel-Verbot“ auferlegt. Essbares darf aber eingesamelt werden. Da ist das Sammel-Verbot aufgehoben.
Nach dieser schönen Mittagspause fuhren wir nochmal etwa 50 Kilometer weiter. Es folgte die allabendliche Suche nach einem Übernachtungsplatz. Das ist immer so ein bisschen mit Anspannung verbunden, bis wir einen Platz haben, den wir beide für geeignet halten. Die wichtigsten Kriterien sind immer: wir müssen uns beide sicher fühlen und es sollte Wasser geben.

Heute stehen wir hinter einer Tankstelle, die rund um die Uhr geöffnet ist. Das ist klasse. Es bedeutet zwar auch, dass immer wieder Autos zu hören sein werden, aber es brennen die ganze Nacht Lampen und es sind noch andere Leute in der Nähe.
Auf der Toilette der Tankstelle konnten wir auch Wasser für unsere Dusche holen und für mein Duschwasser sogar vorher mit dem Wasserkocher noch ein bisschen Wasser erwärmen. Andreas hat kalt geduscht.
Während ich dies hier schreibe, sitzen Andreas und ich an einem Bistrotischchen. Die Tankstelle hat nämlich auch einen kleinen Sitzbereich. Direkt daneben stehen wir mit unserem Fahrzeug, damit wir eines der Tischchen morgen früh für das Frühstück nutzen können.

Casper liegt schon im Wagen und schläft. Der hat noch ein bisschen Nachholbedarf von der Nacht mit den vielen Hunden. Da haben wir alle drei ja wirklich wenig geschlafen. Dafür war die letzte Nacht super ruhig. Nachts durchzuschlafen tut richtig gut.
Es sind jetzt noch ungefähr 600 Kilometer, bis wir wieder in Wien sind. Das ist unser nächstes, größeres Ziel. Es ist extrem erfreulich, dass wir schon fast 2.200 Kilometer gefahren sind und noch nicht einmal einen Platten hatten. Und ein Platten zählt laut Cornelius unter Radfahrern sowieso nicht als Panne. Aber nicht mal das hatten wir. Echt klasse. Zwar haben wir alle drei uns schon ein paar Schrammen auf der Reise geholt, aber die sind so gut wie verheilt und wir werden alles dran setzen, dass keine Neuen dazukommen.