Erste kleine Testfahrt

Ich glaube, ich bin Andreas so langsam auf die Nerven gegangen mit meiner Sorge, ob wir es mit unserem Fahrradwohnwagen überhaupt über die Autobahnbrücke in den nächsten Ort schaffen werden. Immer wenn wir eines der Teile vom Wagen entfernen, um etwas daran zu arbeiten, überfällt mich die Sorge wegen des Gewichts. Und ich spreche nicht von meinem Gewicht, sondern von dem des Wohnwagens. Andreas hat mich bei jeder meiner Besorgnisäußerungen zu beruhigen versucht und gesagt: „So bald mal das Wetter passt, kommt der Wagen raus und wir machen eine Testfahrt!“

Gestern war es endlich so weit. Vom Sahara-Staub abgesehen, war es ein wunderbarer Frühlingstag. Überall blühen Narzissen und Krokusse, es ist schön warm und man hört endlich auch wieder Vogelgezwitscher.

Das erste Nadelöhr war die Tür unserer „Werkstatt“. Damit wir den Wagen überhaupt an die frische Luft setzen konnten, mussten wir das Dach des Wohnwagens entfernen. Zum Glück hatte Andreas während des Baus die grandiose Idee, das Dach abnehmbar zu machen. Das war nämlich nicht von Anfang an so vorgesehen.

Das Dach wieder auf den Wagen zu heben, war schnell erledigt, obwohl es nicht gerade als Leichtgewicht bezeichnet werden kann. Andreas sicherte es mit acht Spannriegeln, die innen angebracht sind und wir drehten die ersten bewundernden Runden um den Wagen. Er sah wirklich sehr imposant aus, wie er da in der ganzen Pracht und voller Größe in unserem Garten stand.

Wir nahmen alle drei unsere Plätze ein und es ging los. Während ich erfreut feststellte, dass wir das ganze Gespann tatsächlich in Bewegung setzen konnten, war Casper weniger begeistert. Er mault meist die ersten Kilometer, aber kriegt sich zum Glück irgendwann ein und ergibt sich seinem Schicksal. Tja, nicht einfach so ein Hundeleben…

Unsere erste Testfahrt war zwar nur knappe 20 Kilometer lang, aber nach der Hälfte kehrten wir in einem Café ein, um diesen Meilenstein des Fahrradwohnwagenbaus zu feiern. Wir ernteten schon auf dieser Mini-Fahrt jede Menge erstaunter Blicke von anderen Verkehrsteilnehmern sowie Passanten. Ich bin mir sicher, dass sich so mancher Mensch fragte: „Was zur Hölle ist das?“.

Zufrieden, beruhigt (besonders in meinem Fall), motiviert und sehr zuversichtlich – was unsere bevorstehenden Reisen angeht – kamen wir wieder zu Hause an.

Und obwohl unser Fahrradwohnwagen insgesamt maximal eine halbe Stunde vor unserem Haus stand, wurde Andreas bereits heute im Wahllokal für die Landtagswahl darauf angesprochen. Er musste seinen Ausweis nicht vorzeigen, weil der Mann, der die Wahlscheine ausgab, zu seiner Kollegin sagte: „Er isch vom rode Hiesl“… Und anschließend wollte er wissen, was das für ein Gefährt war, das in unserer Einfahrt stand und ob man darin schlafen könne.

Es wird in Zukunft noch sehr oft vorkommen, dass wir zu dem Wagen befragt werden. Andreas gibt sehr gerne Auskunft darüber. Ich finde, er kann verdammt stolz auf das bisherige Ergebnis sein.

Andreas‘ Tochter hat uns vor einer Weile gefragt: „Erfüllt ihr euch damit einfach einen Traum, oder meint ihr wirklich, dass ihr damit mal auf Reisen geht?“

Da wir ganz sicher nicht so viel Zeit in eine Gartenhütte gesteckt hätten, können wir auf diese Frage nur antworten: „Ja, Sophia, das meinen wir!“ Und der ersten Reise sind wir mit dieser Testfahrt schon einen gewaltigen Schritt näher gekommen.


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